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Trierer Band Kramsky über ihr neues Album Metaego

„Metaego“ : Kramsky über ihr neues Album: Von Liebhabermusik und Zuckerwatte

Die Trierer Band Kramksy hat ihr neues Album Metaego veröffentlich – während der Corona-Krise. Was alles etwas komplizierter macht.

Man kennt es. Ein harter Tag geht zu Ende, ab auf die Couch. Netflix. Nebenbei das iPhone in der Hand, Instagram offen. Scrollen, liken, ab und an mal ein Kommentar. Kaum ist ein Foto „abgearbeitet“, da scrollen wir weiter und vergessen es. Außer dieses Bild hat was. Irgendwas, das uns anfixt. Dann denken wir länger darüber nach, machen vielleicht einen Screenshot oder teilen es. Oder wir packen es auf ein Albumcover. Moment, was?!

Richtig gelesen. So wie beschrieben geht es Uwe Reinhard alias Jimi Berlin, seines Zeichens Frontmann der Trierer Indie-Rock-Band Kramsky (siehe Info). Denn als er entspannt durch Instagram wandelt, findet er auf dem Profil einer Freundin etwas, das das Scrollen unterbricht. Ein Kind, das sein Gesicht hinter Zuckerwatte versteckt. Er fragt nach, ob es in Ordnung sei, wenn das Foto die neue Platte der Band schmücke. Das ist es. Reinhard verwirft den eigentlichen Plan eines Ölgemäldes auf dem Cover, bearbeitet das Zuckerwatten-Motiv – das Artwork des neuen Kramsky-Albums Metaego ist geboren – und hat sogar einen tieferen Sinn.

„Wir machen uns die Welt oft, wie sie uns passt, verstecken uns hinter etwas schönem und verbiegen Dinge, bis sie in unsere Welt passen“, erklärt Reinhard den Bezug zwischen Zuckerwatte, Kind und Album.

Neues Album unter erschwerten Bedingungen: Florian P. Stiefel (Bass), Michael Kreft (Schlagzeug), Jo Philippi (Gitarre) und Sänger Jimi Berlin (von links) von der Trierer Post-Punk/Indierock-Band Kramsky. Foto: Band

Zurechtbiegen ... wenn Uwe Reinhard das momentan könnte, er würde es sicherlich tun. Denn die Kultur steckt weiterhin in einer schwierigen Situation. Dass Konzerte ausfallen und Locations geschlossen sind, hat mittlerweile jeder mitbekommen. So hart es klingt: Wohl dem Musiker, der aktuell noch andere Einkommen hat. Bei Kramsky ist das so, Reinhard bezeichnet die Arbeit als „ausuferndes Hobby“ auf das die Bandmitglieder nicht angewiesen sind. Trotzdem: Ein Album mitten in der Corona-Krise (Veröffentlichung war am 8. Mai) herauszubringen – das ist eine Herausforderung. Denn auch wenn das Album an sich bereits seit vergangenem September fertig ist, bringt Corona Kramsky ins Grübeln. „Wir haben überlegt, ob wir das Album überhaupt an dem Zeitpunkt rausbringen sollen“, sagt Uwe Reinhard. Die Entscheidung fällt – sonst würde dieser Text wenig Sinn ergeben – pro Veröffentlichung. Grund: „Es war abzusehen, dass Corona uns mindestens bis in den Herbst begleitet.“

Also, raus mit der Platte. Nicht nur digital, sondern auch physisch, auf Vinyl statt auf CD. „Wir machen Liebhabermusik“, begründet Reinhard diese Entscheidung, „da ist es so: Entweder die Leute kaufen Platten, oder laden es sich runter.“

Was fehlt sind aktuell die Möglichkeiten, diese schwarzen Scheiben an den Hörer zu bringen. „Normalerweise läuft ein Großteil des Verkaufs bei Konzerten“, sagt der Sänger. Normalerweise. Denn die Konzerte in Trier, Saarbrücken, Recklinghausen und Luxemburg, die als Promo-Tour geplant waren, fallen ins Corona-Wasser. „Da bricht uns schon einiges weg“, sagt Reinhard. Auch Nachholtermine gestalten sich schwierig, da die Locations gerne neue Songs oder Alben hören wollen. Wann auch immer wieder „normale“ Konzerte gespielt werden können: Neu ist Metaego dann nicht mehr.

Und das Problem geht weiter: Die Arbeit an neuen Projekten gestaltet sich schwer. Da macht der Kramksy-Workflow Probleme. „Viele unserer Songs entstehen während proben, beim gemeinsamen jammen.“ Geprobt werden kann momentan ebenso wenig wie auf der Bühne gestanden. Aber: „Ein paar Songs haben wir noch in der Pipeline“, kündigt Uwe Reinhard an.

So, jetzt aber genug Corona. Denn Metaego merkt man an, dass es schon vor dieser diffizilen Zeit fertig war. Die Vielseitigkeit, die sich die Band laut ihres Sängers vorgenommen hat, ist deutlich zu erkennen. Das Album kommt ohne typische Muster und Gitarrensoli aus, es dominieren kreative Arrangements, die sich quer durch Stilrichtungen mischen. Die Band bringt laut Uwe Reinhard ihre eigenen musikalischen Vorlieben mit in den Kramsky-Sound ein – so entsteht ein ziemlich interessanter Mix.

Liebhabermusik eben. Gleichzeitig aber auch Musik, die man nach einem harten Tag auf der Couch zum Herunterkommen hören kann. Während man bei Instagram scrollt. Und vielleicht das nächste Platten-Cover entdeckt.