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1900 Euro Mindestlohn reichen nicht

1900 Euro Mindestlohn reichen nicht

Über einen Mindestlohn von 1900 bis 2300 Euro würde sich in Deutschland so mancher freuen. In Luxemburg ist ein solcher Lohn normal. Und trotzdem, so fanden Statistiker nun heraus, reichen dort 1900 Euro nicht aus zum Leben.

Luxemburg. 1923 Euro. So viel braucht ein alleinstehender Mann zwischen 40 und 45 Jahren monatlich, um in Luxemburg akzeptabel zu leben. Frauen kommen mit 1909 Euro aus, fand die luxemburgische Statistik-Behörde Statec heraus. Die Unterschiede bei Männern und Frauen erklären sich durch unterschiedlich hohe Ausgaben bei Lebensmitteln, Kleidern und Kosmetik.
1923 Euro - das ist fast exakt die Höhe des bisherigen Mindestlohns, den nicht qualifizierte Beschäftigte im Nachbarland für eine Vollzeitstelle (40 Stunden) erhalten. Und der reicht, nach Berechnungen der Statistiker, nicht aus zum Leben im Großherzogtum. Denn von dem Mindestlohn (qualifizierte Beschäftigte erhalten 2300 Euro) gehen noch Steuern und Sozialabgaben ab.
Das, was das Leben in Luxemburg wirklich teuer macht, sind die Kosten fürs Wohnen. im Schnitt 1049 Euro werden für eine Single-Wohnung veranschlagt. Damit geht statistisch gesehen, mehr als die Hälfte des Mindestlohnes, der ab Januar auf 1949,86 Euro pro Monat steigen soll, fürs Wohnen weg. Für eine vierköpfige Familie werden 1469 Euro im Monat für Haus oder Wohnung veranschlagt. Diese Zahl sorgt bei einigen Luxemburgern jedoch für Stirnrunzeln. "Wou kritt e eng Wunneng oder e Haus fir 1469€ inklusiv Niewekäschten ausser ganz wäit eweg vun der Stad? (Wo bekommt man eine Wohnung oder ein Haus für 1469 Euro inklusive Nebenkosten außer ganz weit weg von der Stadt?"), fragt ein Luxemburger auf der Internet-Seite der Tageszeitung L'essentiel. Die Statistiker berechnen den monatlichen Bedarf für die vierköpfige Familie mit 3935 Euro. Ein alleinstehendes Paar in Luxemburg braucht nach Ansicht der Statistiker 2600 Euro im Monat. Neben Wohnungskosten schlagen auch die Ausgaben für Lebensmittel (259 bis 293 Euro für Singles, 541 Euro für ein kinderloses Paar und 883 Euro für eine vierköpfige Familie) deutlich zu Buche.
Zum Vergleich: In Deutschland werden die durchschnittlichen Ausgaben eines Singles für Nahrungsmittel mit 196 Euro und für Wohnen und Energie 612 Euro im Monat veranschlagt. Das Statistische Bundesamt geht von privaten Konsumausgaben eines Alleinstehenden von 1550 Euro aus. Damit reicht auch in Deutschland der Mindestlohn, der gerade erst von 8,5o auf 8,84 Euro pro Stunde erhöht worden ist, nicht zum Leben aus. Ein Vollzeitbeschäftigter (40 Stunden pro Woche) erhält 1414 Euro Mindestlohn im Monat und damit gut 500 Euro weniger als in Luxemburg. 3647 Euro werden in Deutschland als Konsumausgaben für eine vierköpfige Familie veranschlagt. Die durchschnittlichen Kosten für Lebensmittel (547 Euro) und Wohnen (1156 Euro) liegen deutlich unter denen für eine vergleichbare Familie in Luxemburg. Was sicherlich an den niedrigeren Preisen diesseits der Grenze liegt.