In Sachen Cattenom drängt Luxemburg auf eine schnelle Abschaltung.

Umwelt : Luxemburg erhöht den Druck

Das Großherzogtum setzt auf eine rasche Abschaltung des Grenznahmen Atomkraftwerks Cattenom und wendet sich dazu an die französische Regierung.

Die luxemburgische Regierung erhöht den Druck, um eine Abschaltung des grenznahen Atomkraftwerks Cattenom zu erreichen. In einem Brief (der unserer Zeitung vorliegt) an die französische Atomaufsicht ASN die luxemburgische Umweltministerin Carole Dieschbourg und ihr Kabinettskollege Claude Thurmes, halten sie die geplante Laufzeitverlängerung über die geplanten 40 Jahre hinaus aus Sicherheitsaspekten für nicht tragbar. Die Laufzeit würde 2026 enden. Doch der Betreiber, der französische Energiekonzern EDF, hat bereits angekündigt, über diesen Zeitpunkt hinaus, das Kraftwerk am Netz zu lassen.

Die beiden Grünen-Politiker bezweifeln, dass EDF alle Auflagen und Sicherheitsanforderungen der ASN erfüllt hat. Die Atomaufsicht führt regelmäßige Kontrollen in den französischen Atomkraftwerken durch. Die dabei festgestellten Mängel werden aufgelistet und müssen je nach Schwere in einer bestimmten Frist behoben werden. Dieschbourg und Thurmes glauben, dass EDF finanziell nicht in der Lage ist, die Auflagen, die die ASN an eine Laufzeitverlängerung knüpft, zu erfüllen. Sie fordern vor Genehmigung einer längeren Laufzeit der Anlage, der erster von vier Blöcken 1986 ans Netz gegangen ist, eine Umweltverträglichkeitsprüfung. In diesem Fall hätten die umliegenden Länder, also Luxemburg und Deutschland ein Mitspracherecht und könnten ihre Bedenken kundtun.

Die deutsche Regierung hat bislang die französische Seite nicht um eine Umweltprüfung gebeten, wie aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage die Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl hervorging (der TV berichtete). Die luxemburgischen Minister fordern in ihrem Schreiben, dass die Regierungen der um Cattenom liegenden Nachbarländer künftig über alle Entscheidung bezüglich der Anlage informiert werden.

Sie sehen vor einer möglichen Laufzeitverlängerung noch viele ungeklärte Fragen. Unter anderen die nach der Entsorgung der nuklearen Abfälle des Kernkraftwerks und die nicht auszuschließende Belastung der Mosel durch radioktives Tritium und durch eine Erwärmung wegen eingeleiteter Abwässer aus der Anlage.