Leserbrief zur Freiheit der Kunst: Erstaunlich, wie schnell man das Pferd wechseln kann

Ihre Meinung : Erstaunlich, wie schnell man das Pferd wechseln kann

Kultur

Zum Artikel „Trier kämpft für die Freiheit der Kunst“ (TV vom 21. Mai) über die „Trierer Erklärung der Vielen“ gegen rechten Populismus, der die Kunstfreiheit einschränken möchte, sowie zum Artikel „Michael, der Holocaust und ein Trierer Konzert“ und Kommentar „Ab auf den Schrotthaufen der Musikgeschichte“ (TV vom 20. März) über die inzwischen abgesagte Aufführung der Kantate „Von deutscher Seele“ von Hans Pfitzner:

Wie unsensibel ist das denn! Die gleiche Redakteurin schrieb auch den früheren Artikel (eine ganze Seite). Im damaligen Kommentar hieß es: „Pfitzners Werke werden (...) so selten gespielt, dass sie sowieso fast niemand kennt oder vermissen würde.“ Ihre Forderung: „Ab auf den Schrotthaufen der Musikgeschichte“.

Damals wurde zum Beispiel unser Theaterintendant so zitiert: „Ich halte es weder ethisch noch künstlerisch für richtig, einen Mann wie Pfitzner wieder salonfähig zu machen.“

Jetzt heißt es, vom selben Intendanten: „Wir müssen uns ganz vehement gegen eine Strömung wehren, die das, was wir hier in Europa leben, auseinanderreißen will.“

Plötzlich kämpft man um die Freiheit der Kunst. Erstaunlich, wie schnell man das Pferd wechseln kann. Umso besser!

Jetzt könnte Pfitzner vom „Schrotthaufen der Musikgeschichte“ wieder heruntergeholt werden.

Manfred Klinkhammer, Trier-Biewer

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