Der Saisonstart kann zur Nervenprobe werden

Der Saisonstart kann zur Nervenprobe werden

Der Kader wurde spät komplettiert, die ersten sechs Saisonspiele haben es in sich und die Fans werden ihre Miezen bis November kaum in der Arena sehen - unter diesen nicht optimalen Voraussetzungen startet die DJK/MJC Trier am Samstag in ihre zwölfte Erstliga-Spielzeit seit 2000.

Trier. Der TV analysiert heute, drei Tage vor dem ersten Saisonspiel in Buxtehude, die Chancen und Risiken für die Miezen.
Die Vorbereitung: Fünf Siege, zehn Niederlagen - so lautet die Bilanz der Testspiele in Zahlen. Aber mit jeder Partie wurde die Mannschaft eingespielter, nachdem die Miezen beim "Stelioplast-Cup" in Wittlich erstmals überhaupt in voller Besetzung antreten konnten. "Der Trend zeigt klar nach oben", sagt MJC-Trainer Thomas Happe.
Der Kader: Nominell finden sich vier Torfrauen und zwölf Feldspielerinnen im MJC-Kader, aber: Happe wird nicht mit allen planen können. Zwei Torfrauen und einige Feldspielerinnen werden in der zweiten Mannschaft gebraucht, die mit einem extrem kleinen Kader in der dritten Liga startet. Der Abgang von Leistungsträgerinnen wie Popovic, Karsten oder Cocx wurde teilweise kompensiert, ein deutliches Plus gibt es im Tor, wo Sladjana Djeric die klare Gewinnerin der Vorbereitung ist. Starke Leistungen in den Tests zeigte auch Silvia Solic, die wieder auf ihre angestammte Position am Kreis zurückkehrte. Zudem empfahl sich Nachwuchstalent Natalie Adeberg für die Bundesliga.
Die Neuen: Djeric und Katarina Vojcic sind klare Verstärkungen, die dritte Serbin im Bunde, Jasmina Radojicic, muss sich physisch noch steigern und ihr Zusammenspiel verbessern. Gleiches gilt für die Polin Lucyna Wilamowska. Kreisläuferin Nadine Rost muss sich noch an die raue Erstliga-Luft gewöhnen. "Vor allem die Serbinnen brauchen noch Zeit, sie trainieren schließlich erst seit vier Wochen mit der Mannschaft. Aber dann werden sie ihr Leistungspotenzial ausschöpfen", ist sich Happe sicher.
Der Spielplan: Schlimmer geht\'s nimmer - anders kann man den Saisonstart nicht beschreiben. Nicht nur die Tatsache, dass man erst beim Vizemeister und dann gegen den Meister antritt, wurmt Happe schwer. Das Heimrecht gegen Leverkusen wurde getauscht, das Heimspiel gegen Sindelfingen fällt wegen des Rückzugs des VfL aus. Somit müssen die Fans in Trier vom 11. September (Spiel gegen Erfurt) bis zum 16. November (gegen Leipzig) auf einen Heimauftritt ihrer Miezen warten, die dazwischen fünf Auswärtsspiele in Serie bestreiten.
Und die haben es in sich: Denn mit Ausnahme der Partie gegen Blomberg am dritten Spieltag trifft die MJC ausschließlich auf Top-Mannschaften. "Wir dürfen nicht zu schnell die Nerven verlieren, sondern müssen Ruhe bewahren. Es ist realistisch betrachtet möglich, dass wir mit 0:12 oder 2:10 Punkten in die Saison starten, aber erst dann kommen die Spiele gegen Gegner in Reichweite", baut Happe schon einmal einem Fehlstart vor, sagt aber auch: "Verschenken werden wir keinen Punkt." Im Umkehrschluss bedeutet der Spielplan aber auch: Zwischen 29. Januar und 10. März 2012 haben die Miezen fünf Heimspiele in Serie.
Das Saisonziel: Klassenerhalt - und das vielleicht etwas früher als in der vergangenen Saison, als die Zugehörigkeit zum Oberhaus erst in den letzten fünf Minuten des letzten Spiels sichergestellt wurde. "So leid es mir tut: Trier ist einer der ersten Abstiegskandidaten", sagte Erfurts Trainer Herbert Müller dem TV.
Die Trierer Konkurrenten im Abstiegskampf: Grundsätzlich immer die Aufsteiger, aber: Die HSG Bad Wildungen hat sich - unter anderem mit Ex-Mieze Tessa Cocx - erheblich verstärkt. "Sie werden nichts mit dem Abstieg zu tun haben", sagt Leverkusens Trainerin Renate Wolf. Blieb noch die Fahrstuhlmannschaft von SVG Celle, die 2010 ab- und 2011 wieder aufstieg. Ansonsten dürfte vor allem FA Göppingen in den Abstiegskampf involviert sein. Kleiner Vorteil der MJC: Trier bestreitet die beiden letzten Saisonspiele gegen die vermeintlichen direkten Konkurrenten. Und es steigt nach dem Rückzug von Sindelfingen nur eine Mannschaft ab.
Das TV-Fazit: Es darf keine Leistungsträgerin (und die, von denen man diese Rolle erwartet) langfristig ausfallen, sonst könnte die Personalsituation eng werden. Die erste Sieben der Miezen ist in der Lage, die "Mission Klassenerhalt" zu erfüllen, aber die übrigen Miezen müssen in die Kategorie "Ergänzungsspielerinnen" gerechnet werden, was natürlich vor allem eine Folge der nicht üppigen Finanzausstattung ist. Daher sind nach derzeitigem Stand auch keine Neuverpflichtungen möglich. Auch finanziell will man in ruhigere Fahrwässer einziehen und eine Zitterpartie wie in der Vorsaison verhindern. Dazu ist man neben Sponsoren- vor allem auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen. Und diesen Punkt hat die MJC mit Erfolgen selbst in der Hand.
Mehr zu den MJC-Finanzen in einer der nächsten TV-Ausgaben.

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