Wenn der Schornsteinfeger Treppen rückwärts geht

Ultramarathon : Wenn der Schornsteinfeger Treppen rückwärts geht ...

Domenik Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach lief beim Ultra-Trail du Mont-Blanc 101 Kilometer rund um den höchsten Berg der Alpen.

Wenn Domenik Schröder in den vergangenen Tagen etwas langsam und zum Teil rückwärts Treppen hoch und vor allem runter ging, dann wussten diejenigen, die der Schornsteinfeger im nördlichen Teil des Eifelkreises Bitburg-Prüm besuchte, meist Bescheid. Schröder hat wieder einmal irgendwo einen besonders langen Laufwettkampf teilgenommen. Danach ist die Oberschenkelmuskulatur zuweilen so malträtiert, dass ein Marathonläufer Treppen lieber im Rückwärtsgang bewältigt. Diesmal war es aber nicht irgendwo irgendein Rennen, das Schröder bewältigte, sondern der Ultra-Trail du Mont-Blanc (UTM). Die mehr als 100 Kilometer lange Strecke rund um das Massiv mit dem höchsten Berg der Alpen (4810 Meter) zählen in der Szene der Ultramarathonläufer zu den schwierigsten. Für die Rennen kann man sich nicht einfach anmelden. Bei speziellen Rennen muss man sogenannte UTM-Punkte sammeln. Damit soll sichergestellt werden, dass nur erfahrene Läufer die nicht ungefährliche Herausforderung im Hochgebirge annehmen.

Schröder sammelte seine UTM-Punkte unter anderem beim Müllerthal-Ultratrail über 112 Kilometer, der längsten Strecke, die je in Läufer der LG Pronsfeld-Lünebach zurückgelegt hat. „Gegen den UTM war das aber ein Kindergeburtstag“, sagt der 33-Jährige von der LG Pronsfeld-Lünebach. Beim UTM war die Strecke, die sich Schröder aussuchte, zwar „nur“ 101 Kilometer lang, auf dieser Distanz mussten aber 6100 Höhenmeter bewältigt werden. „Das viele Treppensteigen als Schornsteinfeger kommt mir da schon zugute“, sagt Schröder lachend.

Domenik Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach nahm am Ultra-Trail du Mont-Blanc über mehr als 100 Kilometer teil. Foto: TV/privat

Dazu kommt aber natürlich eine gute Ausdauer und die Fähigkeit, sich halb-autonom im Hochgebirge zu bewegen. Deshalb muss jeder mehr als 2000 Teilnehmer am Start im italienischen Courmayeur eine Pflichtausrüstung nachweisen. „Da ist alles drin vom Verbandszeug, ein Liter zum Trinken, Powerriegel und Wechselklamotten“, erzählt Schröder. Per Handy und GPS-Ortung wird die Position jedes Teilnehmers überwacht, so dass im Notfall schnell Hilfe kommen kann. Die Zusatzbekleidung muss bestimmten Anforderungen entsprechen. Beispielsweise sollte Schröders Ersatzshirt 180 Gramm in Größe M wiegen, brachte aber 176 Gramm auf die Waage. „Wegen vier Gramm musste ich mir ein neues Shirt kaufen“, erzählt der Läufer aus der Eifel. Sonst hätte er nicht starten dürfen.

Wie wichtig die Pflichtausrüstung ist, merkte auch Schröder, als er bei 33 Grad eine acht Kilometer lange Steigung bis auf 2600 Meter hinauflief. „Ich dachte, da oben wäre eine Verpflegungsstation, aber da war keine, sondern weitere acht Kilometer weiter.“ Diese Distanz wurde zur längsten Durststrecke, die er in seiner bisherigen Laufbahn zurücklegte. „Das hätte auch schiefgehen können“, sagt Schröder. Er hielt auch die Augen auf nach Gletscherbächen, um aus diesen zu trinken. Denn sein Flüssigkeitsverbrauch war enorm und übertraf den Benzinverbrauch jedes spritfressenden Autos: 25 Liter auf 100 Kilometer!

Domenik Schröder von der LG Pronsfeld-Lünebach nahm am Ultra-Trail du Mont-Blanc über mehr als 100 Kilometer teil. Foto: TV/privat

Anders als bei gängigen Laufveranstaltungen werden beim UTM keine Einwegbecher benutzt. Jeder muss seinen eigenen Trinkbecher mitführen und einen Löffel. Denn außer Melone und Banane mit Rosinen ernährte sich Schröder bei den mehr als 22 Stunden, die er lief von Bouillon. Viel gegessen habe er aber nicht. „Man ist schnell satt“, erzählt Schröder.

Satt von Extremläufen wie dem UTM ist der Schornsteinfeger trotz des anschließenden schmerzhaften Treppensteigens aber noch lange nicht. Dafür war das Glücksgefühl (Schröder: „Wie Weihnachten, Ostern, Silvester und Geburtstag an einem Tag.“) schon während der Tortour und vor allem beim Zieleinlauf auf dem 778. Platz morgens um halb Acht zu groß. Nicht nur beim Sportler selbst, auch bei seinen Begleitern, die ihn an verschiedenen Streckenpunkten unterstützten. „Ich kam ins Ziel und Jeanette Klein, Silvia Weber und Frank Denter lagen sich weinend in den Armen. Erst fragte ich mich, wieso. Aber klar, bei denen ist auch die Anspannung abgefallen“, erkannte Schröder schnell.

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