1. Blaulicht

Gerolstein: Säureaustritt in Apotheke, Zahlreiche Gebäude evakuiert

Blaulicht : Säureaustritt in Gerolsteiner Apotheke: 100 Einsatzkräfte, Häuser evakuiert

Gefahrgutlage in Gerolstein: Dort ist am Montag in einer Apotheke Säure an die Luft geraten. Zwei Gebäude, darunter eine Arztpraxis, wurden evakuiert, fast 100 Rettungskräfte waren im Einsatz.

Alarm in der Innenstadt von Gerolstein: Im Keller der Schloss-Apotheke in der Raderstraße ist am Morgen gegen 10 Uhr aus bislang ungeklärter Ursache ein Karton umgefallen, in dem sich mehrere Flaschen mit diversen Säuren befanden – und einige davon zu Bruch gingen. Es kommt zum Großeinsatz: Die Wehren sind mit 85 Kräften vertreten, hinzu kommen zehn Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes sowie einige Kräfte der Polizei und des Bauhofes Gerolstein, die die Rader- und die Hauptstraße in Gerolstein abgesperrt haben. Der Verkehr auf der nahen B 410, die täglich von 15 000 Verkehrsteilnehmern befahren wird, kann weiter fließen.

Wie der Wehrleiter der Verbandsgemeinde-Feuerwehr, Sascha Löbens, gegenüber dem TV mitteilt, hätten sich die Mitarbeiterinnen, nachdem sie einen „beißenden“ Geruch wahrgenommen hatten, sofort ins Freie begeben und die Feuerwehr alarmiert. Die Wehr forderte umgehend ein Messfahrzeug und den Gefahrstoff-Zug des Landkreises Vulkaneifel an.

Gerolstein: Säureaustritt in Apotheke, Zahlreiche Gebäude evakuiert
Foto: Sascha Löbens

Erste Messungen hätten ergeben, dass unter anderem Salzsäure und Methanol ausgetreten seien. Zurzeit, sagt Löbens wenig später, „haben wir einen Trupp mit Chemikalien-Anzügen drin“ (siehe Interview).

Rund um die Apotheke ist alles abgesperrt, das Apothekengebäude sowie das Nachbarhaus, in dem eine Arztpraxis untergebracht ist, werden evakuiert. Fünf Menschen – neben den beiden Beschäftigten der Apotheke auch drei Beschäftigte der Arztpraxis – müssen die Häuser verlassen.

Gerolstein: Säureaustritt in Apotheke, Zahlreiche Gebäude evakuiert
Foto: Sascha Löbens

Stand um 13 Uhr: „Wir haben jetzt die ausgelaufene Säure aufgenommen, der Keller wurde gereinigt“, sagt der VG-Wehrleiter. „Zurzeit laufen Lüftungsarbeiten. Wenn diese abgeschlossen sind, können die Apotheke und die Arztpraxis wieder öffnen.“ Kurz darauf packen die Kräfte des Gefahrstoffzugs wieder zusammen, der Einsatz neigt sich dem Ende zu. Das ist so gegen 14 Uhr.

Salzsäure kann zu schweren Verätzungen führen, auch für die Atemwege ist sie gefährlich. Methanol ist leicht entzündbar und ebenfalls gefährlich, sobald es in den Körper gelangt. Es wirkt sich vor allem auf das zentrale Nervensystem aus. Doch letztlich blieb der Zwischenfall dank des raschen Eingreifens der Einsatzkräfte folgenlos. Verletzt wurde niemand.

Sascha Löbens, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein und Leiter des Einsatzes, sagt: „Wir waren heute hier fast 100 Einsatzkräfte, alles Freiwillige wohlgemerkt, und es hat alles super funktioniert. Die unterschiedlichen Einheiten haben sehr gut zusammengearbeitet, alles lief reibungslos.“

Die Feuerwehr Gerolstein hat zunächst einmal für die Evakuierung der Apotheke und der benachbarten Arztpraxis gesorgt, derweil sich der Gefahrstoffzug des Landkreises (der aus allen Teilen des Kreises zusammenkommt, wie etwa dem 40 Kilometer entfernten Kelberg) auf seinen Einsatz vorbereitet. Dazu zählt, dass die Kräfte, die ins Innere gehen, ihren Chemikalienschutzanzug (CSA) mithilfe von Kameraden anlegen – während gleichzeitig ein Dekontaminationsplatz aufgebaut wird.

Manuel Arenz, Leiter des Gefahrstoffzuges, sagt nach dem erfolgreichen Einsatz: „Es hat alles wunderbar funktioniert, die Kameraden waren schnell und hoch konzentriert.“

Einsätze, bei denen Chemikalien oder andere Gefahrstoffe austreten und bei denen die Kräfte den speziellen Schutzanzug anziehen müssen, sind die Ausnahme. Und trotzdem muss das regelmäßig trainiert werden, da an vieles zu denken ist und keine Fehler passieren dürfen. Zum Beispiel die Sache mit der Atemluft: „In den Flaschen ist Luft für rund 50 Minuten, nach 20 Minuten holen wir die Leute aber aus dem Einsatz raus, denn: Man braucht genügend Reserve, da die Kameraden nach dem Einsatz kontaminiert werden – und so lange müssen sie den Schutzanzug natürlich anbehalten.“ Und da die Anzahl der Dekontaminationsplätze begrenzt ist, gibt es da Wartezeiten. Bis zu zehn Minuten, so Arenz, dauere eine Dekontamination. Deshalb sei es auch wichtig, dass die Einsatzkräfte mitteilten, mit welchen Stellen sie besonders mit dem Gefahrstoff in Kontakt gekommen seien. „Das verkürzt die Dekontaminationszeit“, so Arenz. Zur grundsätzlichen Lage der Feuerwehr in Corona Zeiten sagt Wehrleiter Löbens nach diesem Einsatz: „Wir hatten während der Pandemie glücklicherweise sogar einen Mitgliederzuwachs. Das Problem ist, dass wir ein Jahr nicht richtig ausbilden konnten, was sich nun aber glücklicherweise so langsam wieder ändert. Das ist auch bitter nötig, um weiterzukommen und unseren differenzierten Aufgaben nachkommen zu können – aber auch, um die Kameraden bei Laune zu halten.“