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M wie „München macht’s möglich“

Fahrbericht : M wie „München macht’s möglich“

Für Manche ist es so eine Art Glaubensfrage: Voluminöser Sauger oder doch die Kraft nach dem Prinzip des aufgeladenen Direkteinspritzers aus den Brennräumen geschöpft?

Sprich pro oder contra Turbo? Wer den neuen BMW M4 als Coupé fährt, so wie wir das in den vergangenen zwei Wochen auf den Straßen der Region getan haben, kann sich ein Bild von der unterschiedlichen Herangehensweise machen. Eines vornweg: Der aufgeladene „Sechs-Ender“ (Sechszylinder) statt des saugenden „Acht-Enders“ (Achtzylinder) ist beileibe nicht der Anfang vom Ende der M-GmbH. Im Gegenteil.

Coupés definieren sich, und das nicht nur bei BMW, neben ihrer Form des steil abfallenden Hecks in erster Linie über ihr Fahrverhalten und über den Spaß, den sie vermitteln. Ein Coupé (vom französischen couper = abschneiden) kann und will keine „Familienkutsche“ sein.  Andererseits müssen die Designer einen Spagat zwischen sportlichem Anspruch und Alltagsnutzen erfüllen, um das Fahrzeug auch rational am Markt zu positionieren.

Der direkt einspritzende Dreiliter arbeitet in unserem Fall unter der Motorhaube  eines Fahrzeugs, das die M GmbH noch einmal modifiziert hat.  Dank des „M Competition Pakets“ verfügt unser Testwagen nicht nur über ein speziell abgestimmtes adaptives M-Fahrwerk, eine ebenfalls neu angepasste Dynamische Stabilitätskontrolle (DSC) und das aktive „M Differential“, sondern auch über eine erhöhte Motorleistung: von 431 auf 450 PS.  Alles in Summe zusätzliche Leistungs-„Leckereien“, die aus dem ohnehin schon höchst verlockenden „Serien-M4““  noch einmal ein paar Prozentpunkte  mehr in Sachen Traktion, Rennfeeling und Drift-Kompetenz auf abgesperrtem Terrain ermöglichen.

Die erste Fingerübung ist das  Drücken des Startknopfes und nicht die Arbeit am lederbestückten Volant.  Als dessen Folge registrieren  wir eine akustische  Mischung aus V8-Brabbeln und freudigem Drehen von sechs „Töpfen“.  Der Sportabgasanlage sei Dank. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Reaktion  auf die erste leise Bekanntschaft mit dem Gaspedal wuchtig und wirkungsvoll. Der Auftakt zu einer Reise in die Kathedrale des sensiblen Handlings. „Überwacht“ von M Carbon-Keramik-Bremsen.

Nicht nur technisch, auch optisch, veranlasst  der M3-Nachfolger –  ganz besonders mit diesem Paket – zum Zunge schnalzen. „Der hat den bösen Blick“, meinte ein Motorsport-begeisterter Zeitgenosse anerkennend, als er sich die rassig herausfordernd gezeichnete Frontpartie mit den aerodynamisch geformten Spiegeln aus der Froschperspektive besah.

In diesem leicht hin und her wogenden Meer konvexer und konkaver Formen steckt immer noch ein Hauch von Chris Bangle, dem legendären Zeichner viele BMW-Modelle. Hinzu kommen 20-Zöller Leichtmetallräder der M GmbH bis hin zu schwarz verchromten Endrohren.

M wie „München macht’s möglich“
Foto: Jürgen C. Braun
M wie „München macht’s möglich“
Foto: Jürgen C. Braun

Dass sich die Performance auch im Interieur mit Leichtbau-Sportsitzen, deren Rückenlehnen in der Breite verstellbar sind, fortsetzt, passt zum Auftritt eines Fahrzeugs mit Renncharakter für die Straße.  Ebenso wie das informative Head-Up Display in der Frontscheibe. Zahlreiche „Assis“ und Konnektivitäten gehören bei einem Fahrzeug, das den Slogan „Aus Freude am Fahren“, sprichwörtlich auf die Straße bringt, dazu.