1. Trier

Trier: So ein Theater: „I am aus Trier – Die Karl-Marx-Revue“

Trier : So ein Theater: „I am aus Trier – Die Karl-Marx-Revue“

Ökonomie, genauer – im Jubiläumsjahr – 2736 Seiten Wirtschaftstheorie des berühmtesten Sohns der Stadt Trier unterhaltsam auf die Bühne bringen, das ist die Idee der Karl-Marx-Revue der Tuchfabrik.

Kann trocken werden, muss es aber nicht.

Eigentlich ist es eine Revue in der Revue. Die Story: Ein Ensemble will eine Show rund um Karl Marx produzieren. Doch alles dreht sich nur um den schnöden Mammon. Auch die Kunst kann nicht ohne Geld leben, müssen doch Darsteller und Ausstattung bezahlt werden. Ohne Sponsoren läuft da nichts. Und so sind alle glücklich, als der reiche Mr. Columbus die Show finanziert. In der Rolle des „Kapitalistenschweins“, einem Donald-Trump-Verschnitt, geht Stephan Vanecek voll auf, versprüht er doch genau die richtige Mischung aus Skrupellosigkeit und Comedy. Seine Gegenspieler: das rund 40-köpfige Ensemble mit Schauspielern, Tänzern und Sängern – vor allem dem stimmgewaltigen Frauenchor Polyhymnia (Leitung Angela Händel). Und so geraten die Szenen zu musikalischen Höhepunkten, die eine Revue ausmachen: Wenn alle Akteure gemeinsam singen und tanzen.

Stark auch die Schauspielpassagen. Katharina Steger ist eine energische, stellenweise hektische Revueregisseurin. Unterstützt wird sie von dem jungen Rebellen – überaus präsent und überzeugend – Anas (Khaled). Sebastian Gasper spielt den erst polternden Hausmeister, der sich dann von der Show begeistern lässt.

Gut aufgelegt und präzise: die dreiköpfige Band mit dem musikalischen Leiter Johannes Still am Piano, Ingo Esch (Drums) und Gastbassist Johannes Nebel. Still hat bekannte Songs umarrangiert, Regisseurin Judith Kriebel ihnen passende Texte verpasst. Originell: das musikalische Duell zwischen Columbus (Vanecek) und der Revueregisseurin (Steger), die per Songs über Geld und Macht streiten. Unterhaltsam ist sie Revue allemal. Besonders die musikalischen und humoristischen Passagen gefallen den 220 Zuschauern im ausverkauften großen Saal.

Karl-Marx-Revue in der Trierer Tuchfabrik. Foto: Mechthild Schneiders
Karl-Marx-Revue in der Trierer Tuchfabrik. Foto: Mechthild Schneiders
Karl-Marx-Revue in der Trierer Tuchfabrik. Foto: Mechthild Schneiders

Eingestreut in die Show sind die Marxthesen: die Arbeitswerttheorie – da werden Menschen zu Maschinen – und die Geldtheorie – wenn sich die Preise über die Waren hermachen. Konsumzwang und Arbeitslosigkeit werden ebenso thematisiert wie Billiglohn – herrlich schräg die Shopping-Queen-Szene, und – klar bei einer solchen Überlegenheit an weiblichen Darstellern – die Ausbeutung der Frauen. Dazu gibt es pantomimische Einlagen. Und was machen kommunistische Diktatoren nach ihrem Tod? Sie schmoren in der Hölle – dargestellt als humorvolles Handpuppentheater. – köstlich, wenn auch etwas langatmig. Bei dieser Fülle der Thematiken geht der rote Faden bisweilen verloren. Stringent jedoch der Handlungsrahmen: Immer wieder führt Steger das Geschehen zurück auf die Show. Die zieht Marx’ Theorien durch bis zur Revolution. Happy End!?

  • Weitere Termine: 16., 17., 18. August, 7., 8. September, Beginn jeweils 20 Uhr, Großer Saal in der Trierer Tuchfabrik. Karten: 15/12 Euro.