Auslese: Riesling am Limit

Wein : Riesling am Limit

Die Moselregion ist bekanntermaßen die Heimat des Rieslings. Die Rebsorte, die durch ihre besondere Balance zwischen Säure und Süße weltberühmt geworden ist, fühlt sich an den Hängen der Mosel und ihren Nebenflüssen besonders wohl.

Hier ist das Klima ideal für die Reife der Trauben an Rebstöcken, deren Wurzeln metertief in den Schiefer hineinwachsen können, um die Pflanze auch in trockenen Zeiten mit ausreichend Wasser zu versorgen. Mit großen Ernteausfällen ist bei dem milden Klima in unserer Region kaum zu rechnen. Sollte es mal im Winter richtig kalt werden, kann zudem der hochpreisige und sehr begehrte Eiswein geerntet werden. Das birgt aber ein hohes Risiko, denn diese Rebstöcke muss der Winzer stehen lassen, bis die Temperaturen tief genug sind, um den Eiswein zu ernten. Und das ist in unserer Region, der Heimat des Rieslings, selten der Fall, weshalb sie die Ernte dieser Rebstöcke häufig abschreiben müssen.
Das müssen mutige Winzer in Kanada nicht. Im Gegenteil, denn auch im eher für seine Kälte bekannten Kanada wird Wein, darunter auch Riesling, angebaut. Und dort machen die Winzer aus der Not – oder besser, der Kälte – eine Tugend. Sie gehen ganz bewusst ans Limit und machen neben normalem Wein auch sehr erfolgreich Eiswein. Dort setzt der Frost sehr verlässlich bereits im Dezember ein, womit die Eiswein-Produktion als sehr sicher gilt.

Kanada gilt demnach als weltweit größter Eiswein-Erzeuger. Besonders in den Provinzen Nova Scotia, Ontario, Quebec und British Columbia sind die klimatischen Bedingungen dafür ideal. Es gibt Eiswein-Festivals, besondere Eiswein-Gerichte, Eiswein-Cocktails und sogar Eiswein-Pralinen. Als besonders delikat gilt auch in Kanada der Riesling-Eiswein, für den Höchst-Preise gezahlt werden. Hauptabsatzmarkt ist übrigens Asien, wo gerade Eiswein sehr beliebt ist. Riesling funktioniert also auch ganz gut „hart am Limit“.

hp.linz@volksfreund.de