1. Meinung

Kolumne Die Woche im Blick von Thomas Roth

Die Woche im Blick : Unsere Vorurteile

Haben Sie in dieser Woche auch unsere Meldungen über die Steuer-Razzia in Konz gelesen? Unsere Region schaffte es damit in die überregionalen Nachrichten. Die Steuerfahnder hatten vorher die sogenannten Panama Papers ausgewertet, in denen es auch um Steuerhinterziehung ging.

Ganz offen: Schnell dachten viele – mich eingeschlossen – darüber nach, welche Super-Reichen es getroffen haben könnte. Wer hat da Millionen heimlich angelegt und sich vor dem Fiskus gedrückt? Mitleid Fehlanzeige.

Am Tag danach meldeten sich dann bei uns drei Geschwister, die offen über ihre Sicht der Dinge sprachen. Und selbst wenn es wichtig ist, hier darauf hinzuweisen, dass wir das an dieser Stelle rechtlich nicht bewerten können, schnell zeigt sich, dass die Dinge ganz anders sein können, wie es einem zunächst in den Sinn kommt. Ein Bruder, der im Ausland lebt, und in Deutschland gar keine Steuern zahlen muss. Zwei Schwestern, die redlich ihre Steuern zahlen und als Erben bei einer Geldanlage eingetragen waren. Falls es so ist – und die Erklärung klingt einleuchtend –, handelt es sich hier nicht um eine durchtriebene Steuerhinterziehung, sondern um eine Aktion, die Unschuldige in den Blick der Steuerfahnder gerieten ließ.

Und was lernen wir aus so einer Geschichte? Einerseits sind wir froh, dass wir über die Razzia sehr nüchtern berichtet haben – Fakten, die bekannt waren, haben wir weitergegeben und keine Vermutungen angestellt. Und andererseits zeigt sich, wie schnell bei aller Zurückhaltung doch ein falsches Bild im Kopf entstehen kann.

Für manche sind Menschen mit etwas mehr Geld per se verdächtig, manche halten alle Unternehmer für habgierig. Solche Vorurteile führen übrigens immer wieder zu waghalsigen Überlegungen, etwa zur Enteignung von Unternehmen oder zum Verbot der Vermietung. Geld verdirbt den Charakter, heißt ein bekannter Spruch. Es lohnt sich aber ein anderer Blick: Geld und gute Bezahlung bringen Menschen, die fleißig sind und gute Ideen haben, voran, egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmer. Und sie helfen damit, unsere Gesellschaft am Laufen zu halten.

t.roth@volksfreund.de