Kriminalität: Fast schon komisch – wenn es nicht so traurig wäre

Kriminalität : Fast schon komisch – wenn es nicht so traurig wäre

Zu den Artikeln „Drogen, Pornos, Waffen: Polizei schnappt Bande in Traben-Trarbach“ und „Der Cyberbunker tief unten im Berg“ (TV vom 28./29. September) schreibt Dr. Thomas Prenosil:

Die staatlichen Ermittlungsbehörden haben den größten Erfolg gegen Internetkriminalität auf deutschem Boden zu vermelden. So weit, so gut, wenn 2013 durch den Verkauf der ehemaligen Bundeswehr-Liegenschaft auf dem Mont Royal an einen dubiosen niederländischen Käufer dieser fatalen Entwicklung nicht sehenden Auges Tür und Tor geöffnet worden wäre.

Im Rahmen der Verlegung des damaligen Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr von Traben-Trarbach nach Euskirchen wurde die gesamte Liegenschaft verschleudert. Man munkelte von einer halben Million Euro für circa 13 Hektar Gesamtfläche mit Büro- und Versorgungsgebäuden (über 4300 qm Nutzfläche) und als Herzstück einem fünfstöckigen erdversenkten Schutzbau (Bunker genannt, mit circa 5500 qm Nutzfläche), speziell als Rechenzentrumsinfrastruktur für Hochleistungsrechner konzipiert.

Hier stand in den besten Zeiten einer der dreißig schnellsten Supercomputer der Welt für die Wettervorhersagen, die die Bundeswehr bei ihren Einsätzen benötigt. So wurde aus einer Einrichtung, die Anfang der 1980er Jahre mit großem Aufwand für die staatliche Daseinsvorsorge geschaffen worden war, ein Ort weltweiter krimineller Geschäfte, weil sie der Bund am Schluss einfach nur noch schnell loswerden wollte, anstatt sie selbst sinnvoll weiterzunutzen. Inzwischen ist das ehemalige Amt als Zentrum für Geoinformationswesen in das Kommando Cyber- und Informationsraum überführt worden, in dem unter anderem Cyberangriffe abgewehrt werden sollen, die … vielleicht aus dem eigenen alten Standort Traben-Trarbach kamen. Wenn das alles nicht so traurig wäre, wäre es fast komisch.

Dr. Thomas Prenosil, Wittlich, Mitarbeiter des Zentrums für Geoinformationswesen der Bundeswehr im Ruhestand

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