Leserbrief zur beleuchteten Porta Nigra: Lichterglanz und Artenschwund

Ihre Meinung : Lichterglanz und Artenschwund

Naturschutz

Zum Artikel „Farbe für die Porta“ (TV vom 2. Dezember):

Triers Wahrzeichen, die Porta Nigra, leuchtet nun lila, blau und grün. Und das nicht nur in der Adventszeit, sondern künftig auch bei besonderen Anlässen, wie die Stadtwerke sagen. Erfreulich ist, dass mit der modernen LED-Technik 50 Prozent an Energie eingespart werden. Daher kann man auch die gesamte Innenstadt bis Ende Februar in festlichem Lichterglanz erstrahlen lassen.

Mir stellt sich die Frage, ob dies heute wirklich noch sinnvoll ist und ob es sich bei den „Drahtziehern“ dieser Idee tatsächlich um helle Köpfe handelt. Lichtverschmutzung, Insektensterben, Artenschwund und Klimawandel sind Realität und mittlerweile vielen Menschen bewusst. Den Trierer Initiatoren empfehle ich vor der Installation solch aufwändiger Lichttechnik mal das Studium des Skriptes 336 des Bundesamtes für Naturschutz (BfN, 2013): „Schutz der Nacht – Lichtverschmutzung, Biodiversität und Nachtlandschaft, Grundlagen, Folgen, Handlungsansätze und Beispiele guter Praxis“. Hier werden sehr sachlich und informativ in verschiedenen wissenschaftlichen Abhandlungen die Folgen der Lichtverschmutzung für nachtaktive Insekten, Singvögel, Zugvögel, Fledermäuse, Fische, Ökosysteme, Biodiversität und die menschliche Gesundheit dargelegt.

Als an nachtaktiven Insekten forschender Entomologe weiß ich, dass gerade die nun an der Porta strahlenden kurzwelligen Lichtfarben Lila, Blau und Grün sehr starke Auswirkungen auf diese Tiere haben, auch jetzt im Winter. Es gibt, für viele Mitmenschen erstaunlich, etliche Insektenarten, die auch bei Frost fliegen und die von den starken Lichtquellen aus dem Trierer Umland in die Stadt gezogen werden. Gerade Lila, Blau und Grün sind Killerfarben für sie. Den Initiatoren und Unterstützern von „Trier leuchtet ein“ unterstelle ich keinen Vorsatz bei der umweltschädlichen Lichtaktion, aber zumindest strahlendes Unwissen um deren Folgen auf Natur und Umwelt. Muss es denn bunt sein? Lichtfarbenspiele sind umweltschädlich, teuer und deshalb überflüssig.

Vorschlag: Eine LED-Beleuchtung mit warm-weißem Licht ist die Lichtfarbe mit der geringsten Anziehungskraft, auch wenn sie immer noch 15 bis 20 Prozent der nachtaktiven Insekten anlockt.