Entwicklungshilfe und Politik: Wo bleibt die Reaktion der Kanzlerin?

Entwicklungshilfe und Politik : Wo bleibt die Reaktion der Kanzlerin?

Zum Artikel „Eine Reise nach Afrika“ (TV vom 4. Mai) schreibt Thomas B. Becker:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat drei der ärmsten Länder der Welt in Westafrika besucht: Mali, Burkina Faso und Niger. Ziel ihrer Reise war es, die Entwicklungshilfemaßnahmen weiter auszubauen und die Kooperation zwischen Deutschland und den Ländern in der Sahelzone weiter zu fördern. Die Länder leiden unter extremen Klimabedingungen, hohen Geburtenraten und niedrigem Bildungsniveau. Sie können somit nur schwer aus eigener Kraft der Armutsspirale entfliehen. Viele Menschen sehen in der Migration nach Europa die einzige Möglichkeit zu überleben. Das kleine Benin (circa zwölf Millionen Einwohner) ist ein Nachbarland von Niger und Burkina Faso. Die Probleme sind hier wie dort die gleichen: nur wenig zu essen, kaum Bildungschancen, keine Lebensperspektive für die Menschen. Die Länder zählen zu den zehn ärmsten der Welt.

Bis vor kurzem war Benin dennoch ein Musterland von Demokratie. Doch die letzten Parlamentswahlen mit einer Wahlbeteiligung von unter 20 Prozent zeigen, dass das Volk nicht einverstanden ist mit dem Präsidenten Patrice Talon, der seit drei Jahren im Amt ist und ursprünglich demokratisch gewählt wurde; er  macht jetzt politisch eine Kehrtwende und duldet keine oppositionellen Parteien mehr im Parlament. Zur Wahl standen nur zwei Parteien, die beide unter der Kontrolle des Präsidenten Talon stehen. Das Volk beginnt aufzubegehren und will nicht einfach hinnehmen, dass ihre in der Vergangenheit hart erkämpften demokratischen Grundrechte derart massiv eingeschränkt werden. Es gibt Demonstrationen, und bei den Aufständen sind auch schon die ersten Todesopfer und viele Verletzte zu beklagen.

Wo bleibt hier eine Reaktion der Bundeskanzlerin? Warum steht Benin nicht auf der Liste der Länder, die sie gerade in dieser Situation mit ihrem Besuch beehrt, um demonstrativ dem Volk den Rücken zu stärken und wirtschaftlichen Druck – zum Beispiel über Einschränkung von Entwicklungshilfegeldern – auf den Präsidenten auszuüben? Wo bleiben die Pressestimmen in Deutschland zu dem skandalösen Vorgehen des Präsidenten? Wo bleibt die Solidarität der EU mit dem Volk in Benin? Wo bleibt eine Warnung der Vereinten Nationen gegenüber der Staatsführung?

Liegt es vielleicht daran, dass Benin ein Land ohne Rohstoffe ist, was für die westliche Welt uninteressant ist?

Die Menschen in der Pfarreiengemeinschaft (PGR) Schweich haben es dankenswerterweise in den vergangenen fünf Jahren über Spenden ermöglicht, eine Schule in Kaboua/Benin aufzubauen. Kaboua ist die Heimatstadt von Abbé Richard Atchadé, einem Priester, der seit einigen Jahren in Schweich als Seelsorger tätig ist. Der  jüngst gegründete Verein „Brücke Schweich-Kaboua e.V.“ schlägt symbolisch eine Brücke zu den Menschen nach Benin. Er hat sich unter anderem das Ziel gesetzt, den Kindern in Kaboua über Schulpatenschaften Bildung in einer Schule zugänglich zu machen, um ihnen eine Zukunftsperspektive und ein besseres Leben im eigenen Land zu ermöglichen.

Ein weiterhin demokratisches Umfeld in Benin wäre hierfür Voraussetzung und sollte nicht leichtfertig durch das Desinteresse der Weltgemeinschaft aufs Spiel gesetzt werden.

Thomas B. Becker, Vorsitzender des Vereins Brücke Schweich-Kaboua e.V., Schweich