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Junge Leserreporter: Beobachten, schreiben, Korrektur lesen - und mitfiebern: Über die Arbeit eines Sportjournalisten

Junge Leserreporter : Beobachten, schreiben, Korrektur lesen - und mitfiebern: Über die Arbeit eines Sportjournalisten

Wie berichtet ein Journalist von einem Sportevent? Das wollte Florian Baden, Schüler der Jahrgangsstufe 12 am Staatlichen Eifel-Gymnasium Neuerburg (SEG), wissen - und hat einen Sportredakteur des Trierischen Volksfreund zu einem Basketballspiel in die Trierer Arena begleitet. Das ist sein Bericht:

Sonntag, 31. Oktober, 16.30 Uhr: Andreas Feichtner betritt die Trierer Arena. In einer halben Stunde werden die Trierer Gladiators gegen Rasta Vechta spielen und Andreas Feichtner, Sportredakteur des Trierischen Volksfreunds, wird über das Spiel berichten.

VOR DEM SPIEL

Andreas Feichtners Arbeitsplatz befindet sich unten am Spielfeldrand, direkt hinter der Bande. Dort steht ein langer Tisch mit Steckdosen. Neben ihm sitzen weitere Journalisten. Auf seinem Laptop startet Andreas Feichtner sein Schreibprogramm und überprüft, ob das WLAN funktioniert – was nicht immer der Fall ist, aber heute klappt alles. Währenddessen laufen die Spieler ein, jeder mit einem eigenen Lichtspot. Dem Sportjournalisten fällt auf, dass einige Leistungsträger nicht dabei sind. Er springt auf und läuft zu seinem Kollegen, um sich rückzuversichern. Es fehlt Power Forward Brody Clarke, für ihn rückt Jonathan Almstedt in die Starting Five. Schon vor der Partie stand fest, dass Starspieler wie Austin Wiley, Radoslav Pekovic und Enosch Wolf verletzungsbedingt fehlen werden oder nur auf wenig Spielzeit kommen können.

Für den Experten Feichtner steht so schon vor dem Match fest, wie schwer dieses Spiel wird. Diese Vorabinformationen erfasst er noch schnell vor Spielbeginn für seinen Artikel. Damit sind die hektischen Vorbereitungen vor dem Spiel abgeschlossen. Andreas Feichtner erklärt, dass die Arbeit des Sportjournalisten schon viel früher beginnt. So kontaktierte er im Voraus den Rasta-Vechta-Spieler James Washington, der in der Vergangenheit für Trier gespielt hatte und somit geeignet war, um die Stimmung vor dem Spiel auch aus Sicht der Gegnermannschaft einzufangen.

 Sportredakteur Andreas Feichtner an seinem Arbeitsplatz in der Trierer Arena.
Sportredakteur Andreas Feichtner an seinem Arbeitsplatz in der Trierer Arena. Foto: TV/Florian Baden

DAS SPIEL BEGINNT

Während des Spiels erfasst Andreas Feichtner immer wieder die Entwicklungen und Spielzwischenstände für seinen Bericht. Bei der ersten Führung der Gladiators (7:6) nach wenigen Minuten notiert er dies separat, um es später eventuell in seinen Artikel einzubauen. Im ersten Viertel wirkt Rasta Vechta immer wieder sehr verunsichert.

Diese Spielentwicklung hält der Journalist ebenfalls fest und bringt dies mit dem schwachen Saisonstart und frühen Trainerwechsel der Gästemannschaft in Verbindung. In den kurzen Pausen zwischen den Vierteln wird der bestehende Text immer wieder von ihm überprüft. Im zweiten Viertel fügt der Journalist bei, dass die Gästemannschaft immer stärker wird und bis auf einen Punkt an die Heimmannschaft herankommt. Als weitere Besonderheit bemerkt der Redakteur die Einsätze zweier 18-jähriger Spieler auf Seiten der Trierer. Zu guter Letzt wird das Halbzeitergebnis von 38:34 für Trier in seinem Text festgehalten. In der Halbzeit liest er den bisher verfassten Artikel noch einmal Korrektur, da dieser direkt nach dem Match fertig sein und auf der Internetseite des Trierischen Volksfreunds erscheinen wird.

NACH DER HALBZEIT

Trier startet mit einer schwierigen Phase. Man merkt auch dem Journalisten Andreas Feichtner das Mitfiebern mit der Heimmannschaft an. Trotzdem verfasst er den Text weiter sachlich und schildert den spannenden Spielverlauf objektiv. Das letzte Viertel beginnt mit Druck der Gladiators, und der Journalist schreibt über diese kleine Aufholjagd. Währenddessen erhält Andreas Feichtner Fotos des Spiels von einem neben ihm postierten Volksfreund-Fotografen.

Aus einer Auswahl sucht der Journalist ein Bild aus, das Derrick Gordon vor dem Korb zeigt und fügt dieses seinem Artikel an. In der Schlussphase unterlaufen den Gladiators unglückliche Fehler – sie verlieren das Spiel mit 69:76. Andreas Feichtner notiert das Endergebnis und formuliert sein Fazit.

Nun muss er noch die richtige Überschrift finden. „Das ist der schwierigste Teil“, erklärt der Journalist. Die Überschrift müsse das Spielgeschehen wiedergeben und zugleich Neugier erwecken. Schließlich entscheidet er sich, mit Verweis auf den Ausfall vieler Leistungsträger, für die Titelzeile: „Saures gab es schon vor dem Spiel.“ Schließlich fand das Spiel an Halloween statt.

NACH DEM SPIEL

Das Spiel ist aus. Andreas Feichtner liest den Artikel ein letztes Mal durch, dann veröffentlicht er ihn sofort online. Anschließend macht er noch Werbung für den Text auf dem Facebook-Account des Trierischen Volksfreunds: „Dritte Pleite in Folge: Warum es gleich mehrere Gründe für das 69:76 der Gladiators gegen Rasta Vechta gibt.” Damit weckt er das Interesse der Leser und verkündet, dass der Artikel online bereitsteht.

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Workshops „Journalistisches Schreiben“ des Staatlichen Eifel-Gymnasium Neuerburg (SEG)