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Die kleinste Kirmes der Region ist in Speicher

Kreative Wege aus der Corona-Krise : Gebrannte Mandeln, Paradiesäpfel, Zuckerwatte - Die kleinste Kirmes der Region ist in Speicher

Bis Spätsommer keine Kirmes mehr: Das trifft nicht nur die Bürger hart, sondern auch Schausteller, die dort ihr Geld verdienen. Immerhin: Auf Leckereien muss niemand verzichten.

Der süße Duft von geschmolzenem Zucker liegt in der Luft. Popcorntüten stapeln sich in der Auslage, Lebkuchenherzen hängen von der Decke der Bude. Und auf den Crepe-Eisen nebenan, wird der Teig langsam fest. Es ist ein Hauch von Jahrmarkt, den zwei Schausteller auf dem Rewe-Parkplatz in Speicher bringen. Natürlich: Die zwei Buden sind kein Ersatz für das Farben- und Lichterspiel der Feste, die den Menschen wegen des Corona-Virus derzeit entgehen.

Doch viel mehr ist derzeit nicht möglich. Denn bis 31. August, darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wird in der Republik keine Kirmes, kein Jahrmarkt, kein Weinfest stattfinden. Und das ist nicht nur für die Bürger ein Drama, sondern auch für Schausteller, die auf Volksfesten ihr Geld verdienen.

Ein Hauch von Kirmes: Lolita Sonnier, Toni und Patricia Gombold bieten in Speicher jede Menge Leckereien an. Foto: TV/Christian Altmayer

Die Saison würde gerade anlaufen, ist aber praktisch schon vorbei. „Nach dem Sommer bleiben mir fünf Veranstaltungen im Kalender“, sagt Toni Gombold aus Bausendorf: „Das ist ein Totalausfall.“ Corona bereite ihm „schlaflose Nächte“. Auch Schaustellerin Lolita Sonnier aus Badem macht sich Sorgen: „Wenn wir Glück haben, können wir auf den Weihnachtsmärkten ein bisschen Umsatz nachholen.“

Damit die Durststrecke bis dahin nicht zu lang wird, haben sich Gombold und Sonnier etwas einfallen lassen. Klar: Fahrgeschäfte müssen in der Garage bleiben. Abstandsregeln wären dort kaum einzuhalten. Aber auf typische Kirmes-Süßigkeiten muss in diesen Tagen niemand verzichten.

Bis kommenden Samstag, 2. Mai, bieten die Sonniers gebrannte Mandeln, Paradiesäpfel, Lebkuchenherzen, Popcorn, Zuckerwatte und weiteres Naschwerk auf dem Rewe-Parkplatz in Speicher an. Gombold backt in seinem Büdchen nebenan Crepes. Die Resonanz bislang: gut, sagen beide: „Wir haben Stammkunden, die uns in diesen schwierigen Tagen unterstützen.“

Und das auch schon beim ersten Mal, als die Schausteller vor dem Rewe-Markt in Bitburg Station machten. Weitere Kirmes-Drive-Bys seien in Trier-Ehrang und Schweich geplant, stellt Sonnier in Aussicht.  „So wie in normalen Jahren wollen wir unseren Standort über den Sommer immer wieder wechseln“, sagt Gombold. Normalität sieht aber auch für die Schausteller anders aus. „Seit ich denken kann, bin ich jeden Sommer unterwegs“, sagt der 24-jährige Bausendorfer: „Und jetzt bleiben wir das erste Mal zuhause. Das fühlt sich seltsam an.“

Als er vor einigen Jahren die „Creperie“ seiner Eltern übernahm, hätte er sich nicht vorstellen können, dass es so weit kommen würde. Seit Jahrzehnten verdiene die Familie Gombold ihr Geld als Schausteller. Sämtliche Onkel und Tanten seien in der Branche tätig.Zumindest einmal im Jahr kommen sie sonst alle zusammen: „Bei der Säubrennerkirmes treffen wir uns, das ist immer der Höhepunkt des Jahres.“ Doch auch den wirddas Corona-Virus Gombold in diesem Jahr wohl nehmen.