1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Video- statt Hausbesuch: Hebammen im Eifel- und Vulkaneifelkreis lassen Mütter nicht im Stich

Trotz Corona : Geburten kann man nicht verschieben - Hebammen im Eifelkreis lassen Mütter nicht im Stich

Operationen lassen sich verschieben – Geburten nicht. Kinder kommen auf die Welt – auch in Zeiten der Corona-Krise. Um Mütter und ihre Babys nicht zu gefährden, gelten in den Kreißsälen und für die Betreuung vor und nach der Geburt neue Regeln.

Hebamme Petra Hoffmann-Thielen aus Arzfeld hat den ersten Rückbildungskurs per Videokonferenz hinter sich. „Das hat gut funktioniert“, berichtet sie anschließend am Telefon. Erst wird zusammen Sport gemacht, später können die Frauen Fragen stellen. Seit das Versammlungsverbot gilt, müssen Hebammen umdenken. „Ich wollte meine Frauen aber nicht im Stich lassen. Die sind auf mich angewiesen“, sagt Petra Hoffmann-Thielen und bietet seit dieser Woche ihre Kurse digital an.

 Die Hausbesuche hat sie auf das Allernotwendigste reduziert. „Ich verzichte darauf, Schwangere zu besuchen, die sind durch die Frauenärzte gut versorgt.“ Aufgesucht werden von ihr nur noch die Wöchnerinnen, die frisch entbunden haben – und das auch nur in den ersten Wochen. Vor und nach jedem Besuch werden die Hände gewaschen, Desinfektionsmittel hat sie immer dabei. Ihren Nase-Mundschutz hat eine Bekannte ihrer Schwester genäht – denn Schutzkleidung ist nach wie vor Mangelware. Für den (Not-)Fall, dass sie eine an Corona erkrankte Schwangere oder Mutter besuchen muss, hat sie sich vorsorglich „richtige“ Schutzausrüstung besorgt.

 Die Frauen sind sehr dankbar, dass ihre Hebamme sich trotzdem möglichst umfassend um sie kümmert. So führt sie per Video-Schaltung Beratungsgespräche mit ihren Patientinnen. Seit der Corona-Krise beantwortet die Hebamme unter anderem auch Fragen dazu, in welcher Form noch Besuche zulässig sind.

„Oma und Opa sollten jetzt ihr Enkelkind nicht besuchen – auch wenn es schwerfällt“, rät sie. Sie möchte, dass sich die jungen Mütter an die von der Landesregierung vorgegebenen Regeln halten.

„Ich versuche auch alles zu tun, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Das erwarte ich aber auch andersherum.“ Aus der Ruhe bringen lässt sie sich durch die Corana-Krise nicht. „Ich bin guter Dinge und versuche, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt sie und fährt fort: „Wir werden alle kreativ. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Kurse per Videokonferenz anbieten werde.“ Dann müssen wir unser Gespräch beenden. Gleich steht der Vorbereitungskurs an – die Teilnehmerinnen warten schon in der Konferenzschaltung.

 Den Patientenkontakt auf ein Minimum begrenzt haben auch die Hebammen der DRK-Hebammenzentrale in Daun. Auch ihre Beratungen machen Jana Dorfner und Denise Schneiders vom Homeoffice aus. Die Hebammenzentrale wurde Anfang Mai 2019 gegründet. Dort können sich die Schwangeren melden, wenn sie eine Hebamme suchen. Nahezu hundert Frauen konnte so schon weitergeholfen werden.

„Zusätzlich haben wir eine Wochenbettambulanz für diejenigen, die niemanden finden“, sagt Denise Schneiders. Denn Hebammen sind mittlerweile Mangelware. Seitdem man im Vulkaneifelkreis nicht mehr entbinden kann, hat sich die Situation noch zugespitzt. Doch die Ambulanz und das Kursangebot sind wegen der Corona-Krise zurzeit auf Eis gelegt.

„Die Frauen sind schon sehr verunsichert“, beobachtet Denise Schneiders. Außerdem werden sie sehr früh nach der Geburt aus den Kliniken entlassen oder entbinden auf eigenen Wunsch nur ambulant, um am gleichen Tag noch nach Hause zu fahren. „Da ist der Betreuungsumfang zu Hause ein anderer als sonst.“Normalerweise ist Denise Schneiders bei ihren Hausbesuchen 45 Minuten vor Ort. Zurzeit hat sie ihren Aufenthalt auf maximal 15 bis 20 Minuten verkürzt. „Ich telefoniere im Nachgang mit den Frauen, um noch Fragen zu klären“, sagt sie. Sie selbst sei kein überängstlicher Typ und noch relativ entspannt. Dennoch sei es momentan ein seltsames Gefühl, in die Häuser zu gehen.

 Für die Hebammen in der Geburtsstation des Marienhaus Klinikums Eifel, Standort Bitburg, ist Homeoffice keine Alternative. Sie stehen jeden Tag an vorderster Front. Eine von ihnen ist Christine Weber aus Fleringen. Seit 13 Jahren ist sie als Hebamme im Marienhaus-Krankenhaus angestellt. Rund 600 Babys kommen dort jedes Jahr zur Welt. Im März waren es 45.

Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb. Dadurch sind garantiert rund um die Uhr eine Hebamme und ein Gynäkologe im Haus. „Wir sind in der Lage, zu jeder Zeit einen Kaiserschnitt zu machen“, sagt Christine Weber. Einer der vier Kreißsäle ist vorbereitet für Covid-19-Patientinnen. Bislang habe es nur einen Verdachtsfall gegeben, sagt Christine Weber. Der Ernstfall ist also schon erprobt.

 Stand heute dürfen die Väter noch mit in den Kreißsaal. Auch beim Kaiserschnitt dürfen sie noch im OP dabei sein. Allerdings müssen sie zuvor einen Fragebogen ausfüllen,  unter anderem mit Fragen nach Symptomfreiheit, und tragen Nase-Mundschutz. Nach dem Tag der Entbindung dürfen sie allerdings nicht mehr ins Krankenhaus zurückkehren. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass diese Vorsichtsmaßnahme gut akzeptiert wird. „Die Paare sind glücklich, dass die Männer bei der Geburt noch dabei sein dürfen“, sagt Christine Weber. Das ist längst nicht mehr in allen Krankenhäusern in Deutschland der Fall.

Hebamme Petra Hoffmann-Thielen fährt nur noch zu den Frauen, die frisch entbunden haben. Die anderen berät sie per Videoanruf. Foto: TV/Stefanie Glandien

 Angst hat die Hebamme nicht. „Die Paare werden bei uns betreut wie bislang auch.“ Kreißsaalführungen sind momentan auf Eis gelegt. Auch Christine Weber betreut nach der Entlassung noch Wöchnerinnen zu Hause – aber nur „bis sie aus dem Gröbsten raus sind“. Alles andere läuft per Telefon. Meistens kommt sie erst abends dazu, wenn ihr Mann zu Hause ist. Denn da sind auch noch ihre Kinder, vier und neun Jahre alt, die beaufsichtigt werden müssen. „Ich bin im Augenblick nicht nur Hebamme und Hausfrau, sondern auch Lehrerin und Managerin“, sagt sie und lacht. Aber das gehe ja jetzt vielen Eltern auch so.