Die Kulturmacher: Der Musikkreis Wittlich ist seit 1993 eine Institution

DIE KULTURMACHER : Keine Kultur ohne Leidenschaft

Ehrenamtlich und im Ergebnis sehr professionell: der Musikkreis Wittlich.

Sebastian Langner wirkt äußerlich wie das genaue Gegenteil eines feinsinnigen Künstlers. In Aussehen und Auftreten ist der Steinmetz mit Firmensitz in Wittlich scheinbar der Mann fürs Grobe. Wenn der Vorsitzende im Musikkreis Wittlich urteilt, dann klingt das gerade in künstlerischen Dingen hart und sehr entschieden. Aber wer näher auf Langners Ideen und Erfahrungen eingeht, der  bemerkt: Dieser Mann mit dem handfesten Beruf brennt für die Musik. Und brennt überdies für alles, was mit Musik zu tun hat – die nicht immer einfachen Beziehungen zu Künstlern eingeschlossen. Damit steht er in Wittlich keineswegs allein. Auch bei Johannes Baum, Pressesprecher des Vereins und versierter Pianist, versteckt sich hinter dem leisen Gesprächston helle Begeisterung für die klingende Kunst.

Im Jahr 1993 hatte die Stadtverwaltung Wittlich einen ungewöhnlichen Schritt gewagt. Sie legte die Veranstaltungs- und Programmplanung in die Hände der Ehrenamtlichen vom eigens gegründeten „Musikkreis Wittlich“, stellte die Synagoge als Veranstaltungsort zur Verfügung und beschränkte sich auf einen fünfstelligen Zuschuss. Das stieß unter regionalen Kulturträgern nicht immer auf Begeisterung. Vielleicht witterten manche Beobachter eine politisch motivierte Privatisierungstendenz. Aber das ungewöhnliche Konzept bewährte sich. Der Musikkreis erwies sich unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Franz-Josef Scherl als erstaunlich stabil. Er erlag weder den Versuchungen populistischer Programme noch überhob er sich finanziell. Seit 2014 hat sich in der Vereinsführung eine zweite Generation etabliert. Neben Sebastian Langner und Johannes Baum, sind derzeit Ulrich Junk, Alexa Spielmann-Sips, Sabine Theunert und Vita Kneip im Vereinsvorstand –  ein Sechser-Gremium mit unterschiedlichen, aber klar definierten Aufgaben. Alle Vorstandsmitglieder pflegen und erneuern Kontakte zur Musikwelt, bringen Ideen ein, diskutieren Programmkonzepte und erledigen die kleinen Aufgaben, die im Verein nun mal anfallen. Dass ein Großteil der Arbeit doch wieder beim Vorsitzenden landet, ist wohl unvermeidlich. Langner: „Ich erledige täglich irgendetwas für den Verein.“ Und weil sich unter Musikern herumgesprochen hat, dass Wittlich für Auftritte eine gute Adresse ist, quillt Langners E-Postfach vor Anfragen über. Oft zu viel für einen Ehrenamtlichen, der dann zu radikalen Löschaktionen greifen muss.

Dass dieses Konzept  eines privaten Veranstalters mit öffentlicher Teil-Finanzierung riskant bleibt, ist allen bewusst. „Ein Amt lässt sich wieder besetzen“, sagt Langner. „Aber wenn Ehrenamtliche ausscheiden, ist Ersatz schwer zu finden.“ Daran könnte der Musikkreis auch scheitern. Aber der aktuelle Vorstand hat so viel Leidenschaft und Qualitätsbewusstsein entwickelt, dass die Gefahr des Auszehrens und Aufgebens in weite Ferne rückt. Und für die Stadt Wittlich gibt es gute Gründe für den Zuschuss von gerade mal 15 000 Euro. Langner: „Wir machen in der Saison rund 45 000 Euro Umsatz.“ Was bedeutet: Auch für Wittlich ist die Kultur ein Wirtschaftsfaktor.

Das Programm der neuen Saison hat Mitte September mit den „Jungen Preisträgern der Region“ begonnen. Es zeichnet sich aus durch unspektakuläre Qualität. Der „Europäische Kammerchor“ unter Michael Reif, ein Beethoven-Rezital mit Geiger Ingolf Turban und Mario Thinnes am Klavier, der Dauer­brenner „Musik bei Kerzenschein“ am 2. Weihnachtstag mit dem Ensemble „4times Baroque“, Pianistin Alexandra Sostmann mit Musik von Bach bis Prokofjew und nicht zuletzt das renommierte Mandelring-Quartett sind die Schwerpunkte. Und das Musik-Kabarett mit dem schönen Titel „Diva Abend“ und der Universal-Musikerin Ursula Wowroscheck ist zweifellos ein viel versprechender Saisonabschluss. Mit dem „Israeli Chamber Project“ lädt der Verein sogar ein gemischtes Kammerensemble ein und arbeitet dabei mit der Landesstiftung „Villa Musica“ zusammen. Im Übrigen lassen Kooperations-Projekte den Musikkreis ziemlich kalt. Da sei der freie Wettbewerb in der keineswegs einfachen Kulturszene der Region mit seinen Konkurrenz-Situationen, vor allem aber mit seiner Anpassungsfähigkeit zweifellos interessanter, sagt Langner. Darum schreibt der Musikkreis Kooperationen nur mittelgroß. Wo sie Erfolg versprechen, werden sie punktuell praktiziert. Wo nicht, halten die Wittlicher sorgsam Abstand. So oder so sind sie sich selber immer noch genug. Martin Möller

Eyal Ein-Habar spielt in Wittlich. Foto: Peter Leßmann/Peter LessmannHohe Geest 62D-4

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