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Die Gemeinde Morbach schafft im Archäologiepark neue Stellen für Kultur und Marketing

Belginum-Museumsleiterin Cordie geht im September in den Ruhestand : Gemeinde Morbach strukturiert um: Mehr Werbung und mehr Kultur

Die Gemeinde Morbach schafft neue Stellen für Kultur und Marketing in Kanälen der sozialen Medien. Die Uni Trier übernimmt die wissenschaftliche Führung des Archäologieparks Belginum.

Archäologiepark, Kultur, Engagement in sozialen Medien: In Morbach stehen die Zeichen auf Veränderung. „Es ist eine Neuausrichtung von Kultur und Tourismus, die wir angehen“, sagt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal in der jüngsten Sitzung des Morbacher Gemeinderats (der Volksfreund berichtete kurz). So sollen beide Bereiche voneinander getrennt werden, damit die Tourist-Info ihrem Kerngeschäft wieder mehr nachkommen kann, sagt er. Zudem soll die Gemeinde Morbach bereit gemacht werden für soziale Medien, die der Bürgermeister mit Kultur verbunden wissen will. „Wir können Weichen stellen und eine Neuausrichtung vornehmen“, sagt er. „Corona hat gezeigt: Kultur ist ein wichtiges Element in unserer Gesellschaft. Das merkt man dann, wenn sie fehlt.“ Deshalb will er eine Einrichtung etablieren, die Kulturelles fördert, neue Konzepte entwickelt, Sonderprojekte umsetzt und eine breite Vermarktung anstrebt sowie Fremdmittel akquiriert. Von der Unterstützung profitiere die Morbacher Museumslandschaft.

„Kultur soll sichtbar und emotional umgesetzt werden“, sagt Hackethal.  Der Fokus ist dabei auf eine breite Öffentlichkeit und die kulturelle Teilhabe der Bürger gerichtet. „Es sollte Ziel sein, dass es keinen Morbacher gibt, der noch nicht in Belginum war“, sagt er. Im Tourismusbüro mit Sitz im Morbacher Rathaus bleibt die Personalstärke mit zwei Vollzeit- und einer Teilzeitkraft unverändert. Im Kulturzentrum Belginum, wie es in der Sitzung genannt wird, ist künftig der Sitz einer Vollzeitstelle Leitung Kultur/Marketing sowie eine halbe Stelle für Social Media und zwei Teilzeitstellen für die Counterkräfte. Dort können auch Vereine Unterstützung finden.

Die wissenschaftliche Leitung für den Archäologiepark Belginum übernimmt die Professur für provinzialrömische Archäologie der Uni Trier, die dort neu eingerichtet werden soll. Die bisherige wissenschaftliche Leiterin, Dr. Rosemarie Cordie, geht im Herbst in Ruhestand, so dass diese Stelle frei wird. Das Personal wird also rechnerisch um 0,6 Kräfte aufgestockt. Der Stellenzuwachs soll für Social-Media-Aktivitäten der Gemeinde genutzt werden. Dazu kämen zum Archäologiepark externe Einflüsse wie der Hochmoselübergang. „Wo kommen die Leute an? In Belginum“, sagt er.

Prof. Dr. Torsten Mattern von der Uni Trier sagt, die bisherige Kooperation zwischen der Uni und der Gemeinde habe reiche Früchte getragen. Dazu gehöre beispielsweise die Großgrabung vor dem Neubau des Kreisverkehrs. „Tourismus hat auch Bedeutung für die Archäologie“, sagt er.

Die Fraktionen im Gemeinderat begrüßen das neue Konzept. „Es bietet sich eine Chance, einen Umbruch einzuleiten“, sagt Manuel Blatt von der CDU. Er sieht in der Trennung von Kultur und Tourismus aber auch Risiken wegen des möglichen Verlusts von Schnittstellen. „Wir folgen gerne der Idee, es hat was Visionäres“, sagt Frank Klein von der FDP. Achim Zender von den Freien Wählern betont, auch die Baldenauhalle müsse ins Kulturkonzept mit eingebunden werden. Die Verbindung zur Tourist-Info müsse weiterhin gewahrt bleiben. Tobias Schwarz von Bündnis90/ Die Grünen sagt, die Vereine sollten von der neuen Kulturstelle mehr Unterstützung bekommen, beispielsweise bei Genehmigungen und Anträgen. Hermann Moseler von der SPD führt die Kosten des Museums an. „180 000 Euro Aufwendungen sind keine geringe Summe“, sagt er. Trotz hochkarätigem Personaleinsatz lägen die Besucherzahlen unter 10000 pro Jahr. „Mit Kulturarbeit ist kein Geld zu verdienen, aber wir dürfen die Wertschöpfung nicht außer acht lassen“, entgegnet Hackethal.