Basketball : „Es hilft nicht, täglich auf die Tabelle zu schauen“

Vor dem Heimspiel gegen Hamburg am Samstagabend (18 Uhr) spricht Gladiators-Trainer Christian Held im Volksfreund-Interview über Gründe für die Niederlagen der letzten Wochen, mögliche Neuverpflichtungen und die Stimmung im Team.

(mfr) Die Weihnachtspause in der ProA ist vorbei: Basketball-Zweitligist Römerstrom Gladiators Trier startet am heutigen Samstag mit einem Heimspiel gegen die Hamburg Towers ins Jahr 2019 (18 Uhr/Arena Trier).  Die Partie gegen den Tabellenzweiten ist von enormer Bedeutung für das Team von Cheftrainer Christian Held (30). Nach sieben Niederlagen aus den vergangenen zehn Spielen zeigt die Formkurve der Gladiators deutlich nach unten. Vor der Partie gegen die Mannschaft von der Elbe hat Christian Held mit Volksfreund-Redakteur Marek Fritzen über die Gründe für die sportliche Talfahrt, Rückendeckung der Clubführung und mögliche Neuverpflichtungen gesprochen.

Herr Held, angesichts der sportlichen Krise der vergangenen Wochen: Wie entspannt waren die zurückliegenden Feiertage für Sie?

Christian Held Ehrlich gesagt: Es fällt mir immer schwer, in der Freizeit abzuschalten. Das hat nichts mit zurückliegenden Ergebnissen zu tun.

Das klingt nach wenig Entspannung unterm Weihnachtsbaum …

Held Natürlich habe ich versucht, die Zeit mit der Familie zu genießen, klar. Aber ab dem 30. Dezember haben wir wieder voll trainiert. Wir haben die Weihnachtspause genutzt, um Kleinigkeiten zu analysieren und hart zu arbeiten. Wir wollen wieder zu dem zurückkommen,  was uns zu Saisonbeginn so stark gemacht hat.

Ihr Team hat sieben der vergangenen zehn Spiele verloren. Liegt zwar noch auf Platz sechs, aber nur noch vier Zähler vor dem Drittletzten – und nun geht’s gegen die beiden absoluten Topteams der Liga Hamburg und Chemnitz. Muss es jetzt nicht erst einmal das Ziel sein, genug Abstand nach unten herzustellen, bevor man von den Playoffs spricht?

Held Wir haben die Playoffs vor der Saison als Ziel ausgegeben – und daran wird sich auch nichts ändern. Im Moment sind wir mit Platz sechs im Soll.

Seit dieser Saison Cheftrainer in Trier: Christian Held. Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Das heißt: Der Blick geht nicht nach unten in der Tabelle?

Held Es hilft nicht, jeden Tag auf die Tabelle zu schauen und zu sehen: „Oh, wir haben noch so viel Abstand dahin, und so viel Abstand dorthin.“ Ich weiß, dass es in der Tabelle sehr eng ist – sowohl nach unten als auch nach oben. Aber was für uns jetzt zählt, ist ein Erfolg im nächsten Spiel. Und das ist am Samstag gegen Hamburg.

Eine Frage, die sich viele Fans stellen, ist: Wieso lief es zu Saisonbeginn so gut - in einer Phase, in der mehrere Leistungsträger verletzt fehlten. Und jetzt, wo bis auf Kyle Dranginis alle mehr oder weniger an Bord sind, setzt es eine Niederlage nach der anderen. Haben Sie eine Antwort auf diese Frage?

Held Ja, schon: Wir hatten Verletzungsprobleme – und diese haben wir verspätet zu spüren bekommen.

Wie meinen Sie das?

Soll gegen Hamburg fit sein: Gladiators-Kapitän Simon Schmitz. Foto: TV/Willy Speicher

Held Es geht um das Thema Rollenverteilung im Team. Die hat sich immer wieder verändert. In der Zeit, in der unsere Leistungsträger ausgefallen sind, sprangen andere dafür in die Bresche, machten das auch sehr gut. Dann kamen die Leistungsträger zurück und beanspruchten ihre Rollen natürlich wieder für sich. In der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr waren sie allerdings noch nicht bei 100 Prozent. Da war es nicht einfach, die Rollenverteilung im Team wieder so herzustellen, dass es auch wieder harmonisch zuging – im Sinne von Ballbewegung, Kommunikation auf dem Platz, kleineren Abstimmungen.

Aber die Leistungsträger wie Till Gloger oder Thomas Grün, die zu Saisonbeginn ausgefallen waren, sind ja nun schon seit längerem wieder dabei: Damit müssten diese von Ihnen angesprochenen Rollenfindungs-Probleme doch so langsam mal gelöst sein …

Held Definitiv, wir sind da auch auf einem guten Weg. Ich fand, dass wir schon bei der knappen Heim-Niederlage gegen Schalke Mitte Dezember (81:82, Anm. d. Red.) gute Ansätze gezeigt haben. Auch beim Spiel in Tübingen (81:89, Anm. d. Red.) haben wir über weite Strecken einen guten Job gemacht. Tübingen hat an dem Tag aber leider mehr oder weniger alles getroffen.

Dennoch gab es in Tübingen – wie auch in einigen Partien zuvor – Phasen, in denen die Mannschaft offensiv den Faden verloren hat, in der Defensive den Einsatz und die Konzentration vermissen ließ. Dabei war es doch gerade die aggressive Defense, die das Team in den vergangenen Spielzeiten immer ausgezeichnet hat – auch wenn es spielerisch mal nicht so rund lief. Das scheint in dieser Spielzeit ein Stück weit abhandengekommen zu sein. Wieso ist das so?

Held Das sehe ich nicht so. Das Problem ist aus meiner Sicht, dass wir uns eine Fehlerhäufung leisten.

Das müssen Sie genauer erklären …

Held Wir machen einen Fehler, bei dem wir im Anschluss genau wissen, dass wir ihn gemacht haben. Die Jungs sind dann häufig so kritisch mit sich, dass darauffolgend sofort zwei, drei weitere Fehler passieren. Dann kommt man schnell in eine Phase, in der auch schon mal die Aggressivität nachlässt. Das ist aber im Basketball immer wieder zu beobachten. Egal welches Spiel man schaut.

Aber innerhalb des Teams ist alles in Ordnung? Oder hat sich etwas am guten Mannschaftsklima geändert, von dem immer gesprochen wird?

Held Soweit ich das mitbekomme, ist die Stimmung nach wie vor gut. Siege sind natürlich schöner, erleichtern alles. Aber es hilft aus meiner Sicht nicht, sich da jetzt über Gebühr selbst zu geißeln, sondern weiter hart im Training an sich zu arbeiten. Und mit der Trainingsleistung der Jungs bin ich sehr zufrieden.

Einer, der schon häufig bewiesen hat, dass er das Team führen und wachrütteln kann, ist Simon Schmitz. In dieser Saison kann der Kapitän der Mannschaft bisher allerdings nicht wirklich helfen. Immer wieder werfen ihn Verletzungen zurück. Ein Grund für die momentane sportliche Talfahrt des Teams?

Held Wenn ein Spieler wie er nicht fit ist, mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat, dann macht sich das natürlich auch im Team bemerkbar. Uns fehlt momentan in den entscheidenden Phasen der Kopf. Aber ich bin davon überzeugt, dass Simon diese Rolle auch wieder einnehmen kann. Wir haben halt dahinter im Moment niemanden, der diese Rolle übernehmen kann.

Ist denn Ersatz geplant?

Held Nochmal: Wir sind davon überzeugt, dass Simon seine Rolle wieder in alter Stärke einnehmen wird.

Also ist keine Nachverpflichtung geplant?

Held Nein. Wir sind kein Team wie Hamburg oder Chemnitz, das für alle Eventualitäten gerüstet ist, noch mal zwei, drei Neue in der Hinterhand hat. Wir haben unsere Stützen im Team und dahinter wollen wir junge Spieler entwickeln. Und da kann man von jungen Spielern natürlich nicht erwarten, dass sie sich innerhalb von einem halben Jahr von einem, der mehr oder weniger gar nicht gespielt hat, zum absoluten Leistungsträger entwickeln.

Spüren Sie in diesen schwierigen Wochen die Rückendeckung der Club-Verantwortlichen?

Held Ich spreche viel mit Geschäftsführer Achim Schmitz und Manager Andre Ewertz. Wir telefonieren jeden Tag. Das war aber auch immer schon so. Wir stehen in sehr engem Austausch, ich spüre da die volle Rückendeckung, ja!

Am Samstag ist nun der Tabellenzweite aus Hamburg in Trier zu Gast. Im Hinspiel setzte es eine 62:108-Packung an der Elbe. Warum lohnt es sich für die Gladiators-Fans dennoch am Samstag in die Arena zu kommen?

Held Weil es ein Kampf um jeden Millimeter geben wird. Die Liga ist sehr eng, jeder kann jeden schlagen. Ich kann versprechen, dass wir antreten werden, um das Spiel zu gewinnen – und dazu brauchen wir die Unterstützung unserer Fans.

Interview: Marek Fritzen

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