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Kleinich: Zwischen Duschen und Bierkisten ging‘s los

Handball ist unser Leben : Zwischen Duschen und Bierkisten ging’s los

Die Liebe zum Handballsport wurde Thorsten Neuls in die Wiege gelegt. Verletzungsbedingt musste er aber früher als geplant aufhören. Längst ist der Hunsrücker aufs Fahrrad umgestiegen – und ist auch in dieser Sportart vom Ehrgeiz gepackt.

Thorsten Neuls stammt aus der Handball-Hochburg Kleinich, durchlief sämtliche Jugendmannschaften der Hunsrücker und spielte dann dort im Seniorenbereich bis hinauf zur  Regionalliga. Die Handball-Leidenschaft weckte sein Vater Günter, der selbst Aktiver war und seinen Sohn zum Leidwesen der Mutter schon früh mit in die Halle nahm: „Dort war ich zwischen den Duschen, Stubbi-Kisten und Handballspielen unterwegs.“

Mit sechs Jahren spielte er unter seinem ersten Trainer Horst Bach, der „mein Handball-Mentor war“, so der heute 48-jährige. Für seinen Sport tat Neuls alles, wirkte als B-Junior bereits in der A-Jugend der HSG Irmenach mit, nahm vier bis fünfmaliges Training in der Woche sowie zwei Spiele am Wochenende auf sich – und das war nicht ohne: „Während meiner Lehrzeit als Dachdecker musste ich per Moped von Kleinich zur Berufsschule nach Trier. Nach dem Unterricht ging es dann weiter zum Training nach Traben-Trarbach.“

Talent und Ehrgeiz sollten Neuls stets begleiten. Er spielte über Jahre hinweg auch unter Paul Schmidt in der Rheinlandauswahl. Diese Zeit ist ihm noch gut in Erinnerung geblieben, bestand die Auswahl doch im Kern aus Kleinicher und Mülheim-Kärlicher Spielern, die sich alle prima verstanden. „Es war eine mega Zeit bei Paul. Wolfgang Becker war auch ein wichtiger Faktor als Trainer. Von ihm habe ich auch sehr viel gelernt“, verrät Neuls.

2002 kam dann das Ende der Spielerlaufbahn für den damals 29-jährigen, doch so ganz konnte er es nicht lassen. Mit Benny Dämgen, Timo Stoffel und Nico Gedert frönte er weiterhin seiner Leidenschaft –  jetzt beim Beachhandball.  Eine Rückenmarkserkrankung zwang ihn dazu, aufzuhören. „Mir wurde gesagt, dass ich nie wieder Sport treiben dürfe. Meine Beine haben nicht mehr mitgespielt. Ich bin einfach hingefallen“.

2010 folgte dann die Operation. Als Neuls vier Jahre später zum Jugendhof Wolf wechselte, wo er als Arbeitspädagoge in der Wohneinrichtung für Jugendliche tätig war, übernahm er von Dieter Hens die Vorbereitung der Jugendlichen auf die rund 800 Kilometer lange Fair-Play-Fahrradtour. Der zu diesem Zeitpunkt 115 Kilo schwere Neuls suchte Rat bei Personalcoach und Fitnesstrainer Marc Pschebizin und fragte ihn, wie er Tagesetappen über 120 Kilometer schaffen könne. Pschebizin nahm Neuls unter seine Fittiche – und nach einem Winter war Neuls 35 Kilo leichter. Dem Handball blieb er als Trainer erhalten, zunächst in Kastellaun, später in Bernkastel-Kues.

Doch sein sportliches Hauptaugenmerk lag jetzt auf dem Radfahren, vornehmlich dem Mountainbiken. Allerdings fehlte Neuls der Teamsport. So nahm er nach einem  Anruf von Lissy Sülzle 2019 das Angebot an, wieder ins Trainergeschäft zurückzukehren. Da stand fest, dass Sascha Burg künftig nicht mehr als Trainer für die Hunsrück-HSG arbeiten sollte. Für Neuls schloss sich mit seiner Zusage ein Kreis. „Die meisten RPS Liga-Mädels kannte ich noch aus der Jugend, habe sie trainiert und wusste, wie ehrgeizig diese Generation war und ist. Ich selbst war bereit, soweit es meine berufliche Situation zuließ, mich wieder als Trainer einzubringen, wenn auch nicht in erster Reihe. Wichtig war für mich, den damaligen Spielerkader so weit wie möglich zusammenzuhalten.“

 So wurde er Co-Trainer von Franzi Garcia, die er durch einen Zufall bereits ein Jahr vor ihrem Engagement im Hunsrück kennengelernt hatte. Garcia arbeitete an der Gehörlosen-Schule in Trier, und sie kannten sich von der Fair-Play Tour.

Doch aufgrund seiner beruflichen Situation war es ihm bis zur coronabedingten Unterbrechung kaum möglich, mehr als einmal wöchentlich im Training der Damen und außerdem bei den Spielen dabei zu sein. Auch mit dem derzeitigen Trainer Nils Ibach kommt er gut klar: „Ich kann noch viel bei ihm lernen. Es macht einfach Spaß.“

Seit vergangenem Jahr arbeitet Neuls in Deuselbach beim Verein „Live – soziale Chancen“, betreut dort eine Intensivgruppe mit sechs Jugendlichen, die ihn weit über den normalen Arbeitsalltag von 40 Wochenstunden fordert. Die ständige Erreichbarkeit und auch die Nacht- und Wochenenddienste schränken seine Freizeit weitgehend ein.

Seine große Passion bleibt das Radfahren. Mindestens zehn Stunden in der Woche trainiert Neuls auf zwei Rädern. Er hat klare Ziele, will ein großes Rennen pro Jahr und zudem ein Mehrtagesrennen über vier bis fünf Tage absolvieren und zudem am 24-Stunden-Radrennen auf dem Nürburgring teilnehmen. Neuls ist gern in der Vulkaneifel an den Maaren unterwegs und trainiert dort öfters mit seinen ehemaligen Dauner Handballfreund Torsten Ringer.

Der Weg in die Hirtenfeldhalle in Kleinich ist für ihn weitaus näher, da er gleich nebenan wohnt.