1. Die Woch

Unsere Vereine: Das Jagdhorn kennt kein Funkloch

Unsere Vereine : Das Jagdhorn kennt kein Funkloch

Auch in Zeiten des Smartphones bleibt das traditionelle Instrument wichtig für die Kommunikation bei der Jagd – Die Hubertusbläser Eifel beherrschen es meisterlich.

(red/bs) Die Hubertusbläser Eifel in Lutzerath unterscheiden sich grundlegend von einem gewohnten großen Blasorchester, denn sie haben ein besonderes Instrument, das viel Übung erfordert, und diese Gruppe wird nur bei besonderen Anlässen zum Einsatz gerufen. Sie wollen ihr Instrument den Laien näherbringen, erklären und teilen Details darüber mit.

Das Instrument

Das Jagdhorn ist im eigentlichen Sinn ein Gebrauchsinstrument für die Jagd. Die auf der Jagd gebräuchlichen Signale bilden den Kern der Jagdmusik und werden vorwiegend in den Übungsstunden der Bläser geprobt. Die Jagdsignale dienen zur Verständigung, Weitergabe von Informationen und der Sicherheit der Jäger und Treiber untereinander in unwegsamen Gelände ohne Sichtkontakt. Sie sind auch heute, im Zeitalter des Smartphones – und der Funklöcher – unverzichtbar, weil weithin hörbar.

Was macht den Reiz des Klanges aus? Man wird wohl die Natur, den Wald, das Feld, die Jagd und das Jägderleben mit dem Ertönen des Jagdhorns vor Augen haben. In grauer Vorzeit nutze man dafür Tierhörner, seit dem 18. Jahrhundert aber Metallhörner. Es sind das Fürst-Pless-Horn und das „Parforce-Horn in der Stimmung B.. Sie bieten mit einem Umfang von fünf Naturtönen die Möglichkeit einer einfachen, aber einprägsamen Melodiegestaltung. Seit jeher sind alle Jagdhornbläser daran interessiert, neben den Jagdsignalen auch andere Jagdmusik, wie Märsche und Fanfaren zu blasen. Alle Stücke bleiben jedoch durch die naturgegebene Tonreihe des Jagdhorns auf verhältnismäßig wenige Töne und Harmonien beschränkt. Der Klang der Jagdhörner soll dem Jäger Mahnung sein, verantwortlich und besonnen über Leben und Tod der ihm anvertrauten Kreatur zu walten und stets im Geschöpf den Schöpfer zu ehren. Jagdhornblasen ist ein Teil des jagdlichen Brauchtums und sollte gepflegt werden.

Zur Geschichte der Gruppe:

Die Hubertusbläser Eifel gründeten sich im Jahr 2009, zunächst als reine Es-Horn-Gruppe. Die musikalische Leitung übernahm damals schon Carla Pumple aus Lutzerath. Es wurden Gottesdienste gestaltet zu Ehren des Jäger-Schutzpatrons mit liturgischer Musik, entstanden aus traditionellen Jagdsignalen, deren Klänge manchmal choralartig bitten, glockenreich läuten und schließlich frisch dahinstürmen. Hubertusmessen wurden in Driesch, Lutzerath, Kaisersesch, Müllenbach, Ulmen, Schönbach, Mehren, Oberstadtfeld und Manderscheid gestaltet.

Im Oktober 2011 beendete Carla Pumple die Ausbildung zum musikalischen Leiter für Jagdhornbläsergruppen in B bei der Jagdhornbläser-Gilde in Fußgönnheim. In der Stimmung B deshalb, weil ihr das jagdliche Brauchtum sehr am Herzen liegt und es ihrer Meinung nach dringend gefördert werden sollte. Einen mehrköpfigen Vorstand haben die Hubertusbläser nicht. Carla Pumple ist „Mädchen für alles“ und Ansprechpartnerin in allen Angelegenheiten.

Im Januar 2012 startete der erste Anfängerkurs für Jagdhornbläser mit großem Erfolg. Der Unterschied der Ausbildung zu anderen Bläsergruppen ist, dass es sich hier um eine Schulung explizit für Anfänger handelt. Erst wenn sich die Bläser sicher sind, stoßen sie zur Hauptbläsergruppe dazu. Seitdem finden in jedem Jahr diese gutbesuchten Anfängerkurse statt. „Manche Bläser bleiben der Gruppe anschließend erhalten, andere gehen in heimatnahe Bläsergruppen. Hauptsache jedoch ist, dass sie dabei bleiben und dieses schöne Brauchtum weiter pflegen“, sagt Carla Pumple. Dadurch bildete sich in der ehemaligen Es-Horn-Gruppe eine weitere Bläsertruppe, die klassisch jagdlich arbeitet. Der Zeitaufwand dafür war natürlich sehr groß, und das Es-Horn-Blasen trat in den Hintergrund, so dass sich die Gruppen Es und B trennten.

Der „Dirigent“ einer Bläsergruppe ist eigentlich der „Hornmeister“, Carla Pumple bevorzugt aber den Begriff des musikálischen Leiters, weil sie die Bezeichnung „Meister“ für sich nicht angebracht findet. Es wird mit Fürst-Pless- und Parforce-Hörnern in der Stimmung B geblasen. Die Hörner haben keinerlei Ventile oder Tasten, die Töne werden einzig und allein mit dem Mund geformt. Für diese Musik gibt es natürlich auch gesondertes Notenmaterial. „Wir blasen vier- bis fünfstimmig, und die Instrrumente werden von den Mitgliedern selbst erworben“, erzählt Pumple von ihren Aktiven. Die Gruppe finanziert sich selbst. Sie ist kein Verein, die Mitglieder sind dem Landesjagdverband und der Kreisgruppe Cochem-Zell angeschlossen. „Unser Repertoire erstreckt sich von Jagdleitsignalen über weitere Jagdsignale, Totsignale, Jägermärsche, Fanfaren und Volkslieder“, zählt die Bläserchefin auf.

Die Gruppe bläst zu allen Anlässen, zu denen sie verpflichtet wird: Geburstage, Jubiläen, Stadtfeste, Weihnachtsmärkte, Waldfeste, verschiedenen Jagden, Schüsseltreiben, Jägerschlag, Beerdigungen und Grillfeste. Ein breiter Aktionsradius also, der auch noch vergrößert wird, wenn Interessenten Dienste der Eifel-Musiker in Anspruch nehmen möchten. In bester Erinnerung sind Hochzeiten in Oberstadtfeld und Willich (Nordrhein-Westfalen), der Polterabend einer Kameradin im Sauerland, verbunden mit einem Ausflug in die Tropfsteinhöhlen zur Festigung der ohnehin guten Kameradschaft, das Dorffest in Schalkenmehren, der Weihnachtsmarkt in Mehren, die Hundesegnung in Manderscheid, Oktoberfeste in Schauren und Luxemburg Stadt und das Schützenfest in Oberstadtfeld.

In der Regel stehen jeden Montag Proben in Lutzerath an, bei schönem Sonnenwetter auch im Garten eines der Mitglieder, am Schalkenmehrener oder Gemündener Maar, bei den Manderscheider Burgen oder auf dem Hubertushof in Schönbach. „Kameradschaft zwischen unseren 15 Mitgliedern ist uns sehr wichtig. Sie wird gefestigt bei Grillabenden, Wanderungen, Spießbratennachmittagem mit Partnern und auch Hunden. Am Jahresende steht eine Weihnachtsfeier auf dem Programm“, resümiert Carla Pumple.

Der Name „Hubertusbläser Eifel“ spiegelt wider, dass die Mitglieder nicht nur aus Lutzerath stammen, sondern auch aus der weiteren Umgebung, aus Schönbach, Trittscheid, Mehren, Manderscheid, Bitburg, Zemmer, Bengel, Bausendorf, Wittlich, Kliding, Weiler, Gevenich, Landkern.

Das Jahr 2015 verdient einen besonderen Eintrag in der Chronik: Die Eifel-Bläser nahmen erstmals am Landesbläserwettbewerb des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz teil und wurden auf Anhieb Landesmeister in ihrer Klasse. Die Bläserschar bestand damals aus 16 Frauen, Männern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 70 Jahren. Seit jeher ist es üblich, dass Frauen und Männer in Jagdkleidung auftreten. Heute sind drei Frauen und zwölf Männer aktiv, davon vier Nichtjäger. Durch die Anfängergruppe verändert sich die Besetzung in jedem Jahr.

Wegen Corona sind viele Übungsstunden ausgefallen. Der Kontakt ist aber nie abgerissen. „Wir haben uns über WhatsApp, Telefon oder Internet verständigt“, sagt Carla Pumple über die Zeit der Pandemie. Wenn erlaubt, traf man sich auf weitläufigem Gelände mit viel Abstand wie auf der Turnierwiese in Manderscheid, an Waldhütten und Sportplätzen. Anfängerkurse waren ebenfalls nicht möglich, aber derzeit läuft wieder ein Lutzerather Kurs mit sechs lernwilligen Teilnehmern.

Mit Blick auf die Zukunft sagt Carla Pumple: „Ich wünsche mir, dass wir weiterhin eine so tolle Gemeinschaft bleiben, auf die man sich in allen Lebenslagen verlassen kann und dass das jagdliche Brauchtum wieder mehr an Wertschätzung gewinnt.“ Neue Mitglieder sind willkommen, wenn sie eine entsprechende Ausbildung genossen haben und sich problemlos in die Bläsergemeinschaft einfügen.

 Die Hubertusbläser in Aktion.
Die Hubertusbläser in Aktion. Foto: Hubertusbläser Eifel
 Die Hubertusbläser bei einem Auftritt bei der Hundesegnung in Manderscheid.
Die Hubertusbläser bei einem Auftritt bei der Hundesegnung in Manderscheid. Foto: Hubertusbläser Eifel
 Begrüßung der Braut bei einer Hochzeit in Willich (NRW).
Begrüßung der Braut bei einer Hochzeit in Willich (NRW). Foto: Hubertusbläser Eifel
 Musikalische Leiterin der Hubertusbläser Eifel: Carla Pumple.
Musikalische Leiterin der Hubertusbläser Eifel: Carla Pumple. Foto: Hubertusbläser Eifel
 Die Hubertusbläser wurden 2015 in Landau Landesmeister im Jagdhornblasen.
Die Hubertusbläser wurden 2015 in Landau Landesmeister im Jagdhornblasen. Foto: Hubertusbläser Eifel
 Oktoberfest in Schauren.
Oktoberfest in Schauren. Foto: Hubertusbläser Eifel
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Logo Unsere Vereine Foto: TV/Schramm, Johannes

Kontakt: Carla Pumple, Telefon 01755540744, E-Mail carla.pumple@web.de.