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Mit dem Audio-Guide vom Drei-Länder-Eck bis nach Koblenz

Lauschtour : Mit dem Audio-Guide vom Drei-Länder-Eck bis nach Koblenz

Immer wenn es „Pling!“ macht, ist Erzählpause. So funktioniert die Lauschtour-App für Smartphones, die Marco Neises gemeinsam mit seinem Team betreibt.

Mit kleinen Geschichten, in die die Fakten zu der direkten Umgebung eingeflochten sind, erzählt Neises den Nutzern mit ruhiger Stimme, was vor Jahrzehnten oder Jahrtausenden an dem Punkt geschehen ist, an dem sie gerade stehen. Aber der Reihe nach.

Audio-Guides gibt es im Internet viele. Vor allem Museen bieten häufig Audio-Touren durch ihre Räumlichkeiten an, mit denen die Besucher einen ausführlicheren Einblick in die Geschichte der Ausstellungsstücke bekommen sollen. Der Begriff „Lauschtour“ ist allerdings geschützt. Neises, der vorher Redakteur und Reporter beim SWR war, sammelt mit seinem Team immer neue Ideen, die sich in Touren umsetzen lassen. Hier geht um das Beispiel „Mosel-Radweg“, der in Zusammenarbeit mit der Mosellandtouristik entstanden ist. Er erstreckt sich von Schengen bis nach Koblenz, und, wie der Name schon sagt, immer entlang der Mosel.

Das Grutenhäuschen ist ein rekonstruierter römischer Grabtempel gegenüber von Wasserliesch. Foto: Marlene Bucher

Wenn man eine Lauschtour starten will, braucht es erst einmal ein Smartphone, das den eigenen Standort bestimmen kann, also mit GPS ausgestattet ist. Ein kurzer Besuch im App-Store und die Anwendung ist heruntergeladen. Aus den 67 Touren eine ausgesucht, lädt man sich diese ebenfalls herunter. Das hat den Vorteil, dass man unterwegs nicht unbedingt eine Internetverbindung braucht. Das Paket besteht aus einer digitalen Karte, auf der die einzelnen sogenannten Lauschpunkte eingezeichnet sind, und den Audiodateien.
Es gibt eine kurze Einführung am Anfang, in der Marco Neises erklärt, dass bei jedem „Pling!“ die App erkannt hat, dass man einen Lauschpunkt passiert, und man dann eine Verschnaufpause zum Zuhören einlegen kann. Der Bildschirm des Handys kann während der Fahrt ausgeschaltet bleiben, das schont den Akku.

Los geht es in der Nähe des Drei-Länder-Ecks zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland. „Hier sagen wir erst mal Bonjour, Moien und Hallo“, so beginnt der erste Lauschpunkt. Eine kleine Einführung in die Bedeutung des Ortes Schengen folgt, dann geht es weiter.

Marco Neises interviewt den Cochemer Geschichtskenner Peter Kaes für einen Lauschpunkt. Die Tour für Cochem ist noch in der Produktion und soll dieses Jahr erscheinen. Foto: Lauschtour

An Nittel und Grevenmacher vorbei führt die Fahrt der Lauschpunkte vorbei, und zum Beispiel in Wasserliesch gibt es ein paar Infos zum Einsammeln. In den Weinbergen bei Igel ist das Gruthenhäuschen zu sehen. „Ein rekonstruierter römischer Grabtempel, der heute auch ein beliebter Ort zum Heiraten ist“, erzählt die Reporterstimme aus dem Handy. Weiter geht es an der Saarmündung vorbei und über Konz hinein nach Trier.

An der Römerbrücke erfahren die Besucher schließlich, dass der Aufbau selbiger früher etwas anders aussah: Der untere Teil ist weitestgehend erhalten, der obere Teil war allerdings aus Holz und konnte im Falle eines Angriffs zur Abwehr von Feinden niedergebrannt werden.

Der obere Brückenteil, so erklärt der Lauschtour-Reporter an der Trierer Römerbrücke, bestand früher aus Holz und konnte zur Abwehr von Feinden verbrannt werden. Foto: Marlene Bucher

Am Fährturm in Schweich werden die Geografiekenntnisse etwas aufgefrischt: „Wenn Sie aus Richtung Trier kommen, sind Sie eben durch eine flache Talweite gefahren und hinter der Autobahnbrücke verändert sich jetzt die Landschaft. Da beginnen die Steillagen, in denen die typischen Moselrieslinge wachsen, der Beginn des Rheinischen Schiefergebirges.“

Dieses Stück Mosel-Radweg bei Riol kann man nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen. Foto: Marlene Bucher

Dann geht es weiter über Pölich, Neumagen-Dhron und Piesport. Dort gibt es zwei Lauschpunkte, eine davon handelt von einer Römischen Weinkelteranlage. Teile davon sind rekonstruiert, viele stammen aber auch noch aus der Zeit der Römer. Der Piesporter Winzer Karl-Theo Haart erklärt im Interview mit Marco Neises in der Audio-Datei, dass die Römer den Wein früher anders ausbauten als heute. Der Wein lagerte damals in einer Rauchkammer, wodurch er später auch einen rauchigen Geschmack bekam, sagt Haart.

Lauschtour Woch Foto: Marlene Bucher

In Bernkastel angekommen weist die Stimme aus dem Handy auf den teuersten Weinberg der Mosel hin, den Bernkasteler Doktor. Deutschlands ältestes Altenheim, das Cusanus-Stift, ist von dem Punkt aus ebenfalls zu sehen.

In der Audio-Datei zur Römischen Weinkelteranlage in Piesport erklärt ein Piesporter Winzer, wie der Wein aus der Kelteranlage schmeckt (Überraschung: etwas rauchig) und wie das Verfahren damals funktioniert hat. Foto: Marlene Bucher
Die Weinlage Piesporter Goldtröpfchen ist Thema im Lauschpunkt zur Römischen Kelteranlage. Sie umfasst 66 Hektar. Foto: Marlene Bucher
Die Lauschtour entlang der Mosel ist 240 Kilometer lang. Foto: Marlene Bucher
Lauschtour Woch Foto: Marlene Bucher

Am letzten Lauschpunkt angekommen findet man sich als Lauschender am Deutschen Eck wieder. Dort ist auf dem Bildschirm, wie so oft während der Tour, Fotomaterial zu sehen. Es zeigt den Zustand der Reiter-Statue am Deutschen Eck, sie ist schwer beschädigt worden. Die Tour endet mit ein paar Museums-Tipps für Koblenz und dem Ausblick auf die beiden sich vereinenden Flüsse – Mosel und Rhein unterhalb der Festung Ehrenbreitstein.