1. Meinung

Kirche: Fasten – Zeit

Kirche : Fasten – Zeit

Hast du heute Zeit für… deinen Nächsten? Dieser Frage aus dem Misereor–Fastenkalender möchte ich in der Zeit vor Ostern nachspüren. Zeit wofür? Für wen? Meine Zeit, die sehr knapp bemessen ist, mit einem vollen Terminkalender.

Kein Wunder, dass ich die Menschen, die mir nahe stehen, die ich liebe, aber auch die, die mir fremd sind, vernachlässige. Die Fastenzeit, eine Zeit für die Mitmenschen, was heißt das konkret für mich, für uns?

Zeichen setzen, so wie viele von uns sich an Aschermittwoch mit dem Aschenkreuz segnen ließen. Nicht nur ein äußeres Zeichen, das ich mir gerade so im Vorbei-Gehen abhole, so wie „das Aschenkreuz to go“, sondern mich darauf einlasse, dass hinter diesem Zeichen eine Botschaft steckt, die mich ins Nachdenken bringt. Dazu brauche ich Zeit (sechs Wochen), denn es geht nicht so sehr um das Fasten, Geld spenden und Beten, sondern um meine innere Haltung zu dem, was ich tue und denke und um das Warum. Es geht darum zu glauben, dass in dieser Asche Tod und Leben, aber auch meine/unsere Vergänglichkeit und Hinfälligkeit steckt. Da bin ich froh, wenn ich Menschen treffe, die ein offenes Ohr, eine helfende Hand haben, gegen die Gleichgültigkeit und den Hass in der Gesellschaft.

Im Sonntagsevangelium macht Jesus es uns vor: Er begibt sich auf feindliches Gebiet und hat Zeit für die Sünderin am Jakobsbrunnen. Er hört ihr zu, schaut sie an, spricht mit ihr als Jude und sprengt damit sämtliche Tabus. Mit seiner Haltung schenkt er ihr Würde und Anerkennung. Er macht sie gesellschaftsfähig. Für sie ist es wie eine Wiedergeburt, denn Jesus schenkt ihr das Leben neu. Das geht nicht im Vorbei-Gehen, sondern im sich Zeit nehmen für den Anderen. Jesus setzt damit ein Zeichen gegen die Verrohung in der Gesellschaft.

Das, was Jesus tut, gefällt mir. Da möchte ich dabei sein. Wie ist es mit Dir? Mit Ihnen? Machst Du, machen Sie mit in der Zeit bis Ostern und darüber hinaus?