Genosse Millionär

Genosse Millionär

Kein anderer Kandidat ist in Erinnerung, der als Millionär ins Rennen um das Kanzleramt gestartet wäre. Der Sozialdemokrat Peer Steinbrück ist einmalig.


1,25 Millionen Euro soll er durch eine Vielzahl an Fachvorträgen nach seiner Amtszeit eingenommen haben. Respekt! Steinbrück, der anerkannte Finanzexperte, hat sich seine Auftritte üppig bezahlen lassen. Und es hat offensichtlich genügend Firmen und Verbände gegeben, denen es ein stattliches Sümmchen wert gewesen ist, dass der Genosse bei ihnen das große Wort geführt hat.
Das alles ist rechtens gewesen, und man muss Steinbrück zugutehalten, dass er offener mit seinen Einnahmen umgeht als so mancher in der Union.
Doch klar sein dürfte auch: Die satten Vortragshonorare über der magischen Millionengrenze machen die Kanzlerkandidatur für Steinbrück jetzt nicht einfacher.
Im Gegenteil: Diese 1,25 Millionen Euro werden ihn in den nächsten Monaten wie ein Rucksack voller Mühlsteine beschweren.
Die eigentliche Gefahr für den vortragsreisenden Abgeordneten lauert allerdings nicht bei jenen Wählern, die nur gelegentlich ihr Kreuz bei einem Sozialdemokraten machen. Die könnte der hohe Marktwert des Genossen sogar noch beeindrucken. Sorgen machen muss sich Steinbrück vielmehr um die Stammkundschaft der SPD. Für die ist der Mann mit den beträchtlichen Nebeneinkünften nur schwer mit der Botschaft in Einklang zu bringen, dass sozial in diesem Land wieder einiges ins Lot gebracht werden muss. Und jede Sparmaßnahme, die Steinbrück vorschlagen wird, dürfte Hinweise auf sein Millionärssalär provozieren. Da muss der Gutverdiener jetzt durch. Und mit ihm die SPD.
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