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Kommentar: Der Elefant im Lavendelfeld

Meinung : Der Elefant im Lavendelfeld

Die rheinland-pfälzische Landesregierung pflanzt einen Lavendelstrauch, um sich bei den Mitarbeitern der Universitätsklinik Mainz für ihre Arbeit während der Coronapandemie zu bedanken. Viele Pfleger ärgern sich und wüten via Twitter.

Sie überziehen dabei deutlich, doch noch vermessener ist die Kampagne der Staatskanzlei.

Zunächst einmal ist es Unsinn, wenn die Pflegerkräfte behaupten, die Landesregierung, die sie als Chiffre für „den Staat“ nutzen, hätte nichts für sie getan, außer einen 20-Euro-Lavendel auszupflanzen. Das Krankenhaus- und Pflegesystem hat strukturelle Probleme. Die wertvolle Arbeit wird zu gering bezahlt, zu Beginn der Krise (und zu lange danach) fehlte Schutzausrüstung. Trotzdem ist es der Politik gelungen, in einem Kraftakt sämtliche Kapazitäten enorm auszubauen. Auch deshalb drohte nie der Kollaps wie in vielen anderen Ländern der Welt. Zur Wahrheit gehört sogar, dass viele Kapazitäten ungenutzt blieben und gerade die Rettungsdienste weniger als üblich ausgelastet waren.

Trotzdem ist die Kampagne ein Unding. Die Idee: „Wir machen etwas mit Coronahelden, Pflanzen und Artenvielfalt. Da kann ja niemand was gegen haben.“ Dabei ging es vor allem um eines: Möglichst viele Themen zu bündeln, die die Landesregierung besonderen gut aussehen lassen. Der Dank an wen auch immer war letztlich nur ein Vehikel für plumpe Eigen-PR. Oder hat ernsthaft irgendwer geglaubt, auch nur ein Pfleger nimmt zu Kenntnis, wenn ein Staatssekretär einen mickrigen Strauch pflanzt? Dass die Aktion dann auch noch – mit einem Text aus der Kopiervorlage - verteidigt wird, statt die Pleite einzugestehen, krönt das Desaster. So trampelt ein Elefant durchs Lavendelfeld.