1. Meinung

Diplomatische Zurückhaltung ist unangebracht

USA : Diplomatische Zurückhaltung ist unangebracht

Zu unserem Artikel „Angriffslust gegen erstaunliche Gelassenheit“ (TV vom 17. Oktober) schreibt Ruediger Scheiffele, Trier:

Hätte die Wahl des künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika keine so große Bedeutung für den Weltfrieden, die Weltwirtschaft und das Klima, könnte es uns eigentlich egal sein, wer Amerika regiert. Denn üblicherweise bekommt doch jedes Land die politische Führung, die es aufgrund des eigenen Votums verdient, vorausgesetzt, das Wahlergebnis kam durch freie und faire Wahlen zustande. Warum wundert es dann die neutralen Beobachter dieser Politkomödie nicht, dass der derzeitige Amtsinhaber zum Ende des laufenden Wahlkampfes wieder mit Denunzierungen und Verunglimpfungen seines Gegenspielers aufwartet, die einzig und allein dem Zweck dienen, diesen bezüglich seiner Integrität zu beschädigen?  Eigentlich verbietet sich eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten. Doch spätestens dann, wenn die Existenz oder die Interessen der gesamten Menschheit bedroht sind oder berührt werden, ist diplomatische Zurückhaltung unangebracht und höchst gefährlich. Ein Präsident, der seinen Wahlerfolg überwiegend bildungsfernen Schichten und einem kleinen Teil wirtschaftlicher Eliten in seinem Land zu verdanken hat, bedarf fortwährend einer kritischen und differenzierten Betrachtung.

Ein Lügenbaron, dessen größte Fähigkeit bisher darin bestand, dass er medienwirksam und anbiedernd Verträge und Abkommen, die für ein vertrauensvolles Miteinander der Völker bedeutsam und unerlässlich sind, rücksichtslos per Dekret außer Kraft gesetzt hat, um die dazugehörenden, von ihm unterzeichneten Urkunden anschließend mit stolzgeschwellter Brust, in Anwesenheit seiner kritiklosen Meinungssklaven, in die Fernsehkameras und Objektive der Medienvertreter zu halten. Aber so ist es eben, wenn man einen diplomatischen Blindgänger mit Aufgaben betraut, die eine gebildete, politisch erfahrene und den Menschen zugewandte Persönlichkeit erfordert.  Selbstüberschätzung in Verbindung mit einer übersteigerten Eitelkeit taugen langfristig nicht dazu, dem eigenen Land oder gar der gesamten Weltgemeinschaft so zum Wohle zu handeln, dass alle in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben können.

Bleibt zu hoffen, dass die bevorstehende Wahl in Amerika so ausgeht, dass kein Rassist, Narzisst oder Politnovize ohne die unabdingbare Fachkompetenz ins Weiße Haus einziehen kann. Ein Präsident, der scheinbar nur seinen eigenen Interessen folgt und einigen wohlhabenden Günstlingen in seinem Umfeld verpflichtet scheint, sollte spätestens dann, wenn er seine Immunität verloren hat, juristisch  konsequent verfolgt und seinen Untaten entsprechend auch bestraft werden. Somit stellt sich die Frage bezüglich eines respektvollen Umgangs mit einer solchen Person nach meinem Dafürhalten nicht, denn Respekt verdient nur, wer sich selbst respektvoll, tolerant, fair und höflich verhält.