Gesa Krause: "Jetzt erst mal hinlegen"

Berlin : „Jetzt erst mal hinlegen“ - Gesa Krause nach ihrem Goldlauf im Volksfreund-Interview

Nach ihrer EM-Titelverteidigung verrät Gesa Krause im TV, warum sie zuvor so angespannt war und was sie nun vorhat.

Von den oft genannten acht Stunden Schlaf, die ein Leistungssportler braucht, war Gesa Felicitas Krause in der Nacht von Sonntag auf Montag weit entfernt. „Ich bin so gegen halb fünf ins Bett und um halb sieben aufgestanden“, erzählte die einzige deutsche Titelverteidigerin der Leichtathletik-Europameisterschaften von Berlin gestern Vormittag. Nach der Siegerehrung, dem Marathon durch die Mixed-Zone, wo ihr auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Triers ehemaliger Oberbürgermeister Klaus Jensen gratulierten, ging es zur Dopingkontrolle. Erst kurz nach Mitternacht konnte sie sich von Freund Marc, ihren Eltern und Trainer Wolfgang Heinig hochleben lassen.

Am frühen Morgen nach ihrem von mehr als 40 000 Zuschauern im Olympiastadion gefeierten Sieg über 3000 Meter Hindernis war die 26-Jährige live im ZDF-Morgenmagazin. Danach weitere Interviews. Positiver Stress: „Nach so einem Erfolg macht man das gerne.“ Den Schlaf nachholen werde sie in den kommenden Tagen, wenn sie nach fast zwei Monaten Trainingslager im schweizerischen Davos (Krause: „Meine zweite Heimat“) endlich mal wieder nach Hause kommt.

Der Gold-Lauf am Sonntagabend ist natürlich immer noch im Kopf, wird es noch lange bleiben. „Ich war vorher sehr angespannt“, gesteht Krause. Die Saison war nicht so gelaufen wie erhofft. Eine Topzeit fehlte ihr. „Ich war 2016 aufgrund meiner guten Ergebnisse im Vorfeld der EM selbstsicherer. In diesem Jahre war das anders“, sagt sie und gibt zu, dass das nicht alles spurlos an ihr vorbeigeht: „Auf dem Aufwärmplatz denkt man noch, klappt alles, und horcht in sich rein.“ Aber mit dem Startschuss falle bei ihr die Anspannung ab, und sie sei im Rennmodus.

Der Rennverlauf kam der Läuferin vom Verein Silvesterlauf Trier entgegen. Die spätere Vizeeuropameisterin Fabienne Schlumpf sorgte für ein hohes Tempo. „Das war so ziemlich das Szenario, von dem ich geträumt habe“, sagt Krause. Nach und nach verkleinerte sich die Spitzengruppe. Krause blieb ruhig nach außen, immer an zweiter, dritter Position. „Zwischendurch dachte ich schon, das ist echt schnell. Ob ich das wohl halten kann. Zwischen 1600 Meter und 2000 Meter war‘s schwer“, erzählt die Sportsoldatin. Doch als sich die WM-Bronzemedaillengewinnerin von 2015 bei der vorletzten Wassergraben-Überquerung noch gut fühlte, war sie sich schon sehr sicher, dass es mit der Titelverteidigung klappen würde. „Das Wichtigste für mich war eine schnelle letzte Runde. Den Angriff vor dem letzten Wassergraben hatte ich so geplant.“ Auf nur gut 100 Metern lief Krause (Endzeit: 9:19,80 Minuten) fast drei Sekunden Vorsprung auf Schlumpf (9:22,29) und die europäische Jahresschnellste Karoline Grøvdal (9:24,46) heraus. „Vor dem letzten Hindernis habe ich noch etwas rausgenommen, um nichts zu riskieren“, erzählt Krause. Dann konnte sie die letzten Meter genießen.

Bei der Heim-EM fühlte sich der Sieg noch einmal anders, großartiger, an als vor zwei Jahren in Amsterdam: „Man merkt, dass man nicht nur für sich, sondern für jeden Einzelnen im Stadion läuft. Man weiß: In diesem Moment jubelt jeder für dich!“ Die blaue Laufbahn des Olympiastadions hat für Krause etwas Magisches. Hier lief sie vor einem Jahr beim Istaf in 9:11,85 Minuten deutschen Rekord. Hier wurde sie zum ersten Mal deutsche Jugendmeisterin. „Ich hoffe, dass man sich nach dieser stimmungsvollen EM anders entscheidet“, sagt sie zu den Überlegungen, das historische Stadion in eine reine Fußballarena umzuwandeln: „Im Fußball ist so viel Geld, da sollte man dieses historische Stadion so lassen. Die Athleten aus aller Welt lieben es.“ Und die mitreißende EM-Woche gebe hoffentlich auch der Leichtathletik einen Schub: „Ich glaube, dass das junge Leute inspirieren kann.“

Den berühmten Koffer kann Krause, wenn sie heute aus der Hauptstadt abreist, direkt in Berlin stehen lassen. Denn am 2. September kehrt sie zu ihrem letzten Saisonstart ins Olympiastadion zurück. Ihr einziger Start bis dahin wird das BMW Cloppenburg Meeting am 23. August in Trier sein (siehe Info). Doch während es bei der EM um den Sieg ging, stehen dann auch die Zeiten im Fokus. „Saisonbestzeit möchte ich schon laufen. Deutscher Rekord über 3000 Meter Hindernis wäre toll“, sagt Krause. Aber bis dahin gilt es erst einmal etwas Schlaf nachzuholen.

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