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Leichtathletik-Training per Videokonferenz

Sport in der Coronakrise : Training per Videokonferenz

Trainingspläne per E-Mail sind nicht nur wegen der Corona-Krise und Kontaktverboten Standard. Trierer Leichtathleten versuchen aber auch Messenger-Dienste und Videokonferenzen für ein bisschen Gemeinsamkeit beim getrennten Training zu nutzen.

Wegen der Corona-Infektionsgefahr Training oder kein Training durchführen, seit dem 13. März ist diese Entscheidung den Verantwortlichen in den Sportvereinen abgenommen. Die Sportstätten sind seitdem geschlossen.

Die Mitteilung, dass für das Athletiktraining des Vereins Silvesterlauf Trier keine Halle mehr zur Verfügung steht, erreichte Übungsleiter Jonas Horn an diesem Tag fünf Stunden vor der geplanten Trainingseinheit. Der 20-Jährige reagierte prompt, schickte den Plan in die Whatsapp-Gruppe mit der Aufforderung zu gewohnten Zeit, aber halt zu Hause Sport zu treiben. Und etwa zwei Dutzend junge Sportler machten Liegestütz, Burpee und Krafttraining mit kleinen Gewichten wie beispielsweise Sprudelflaschen. Räumlich getrennt, aber gleichzeitig. Am heutigen Freitag (27. März) ist Teil drei des sogenannten Corona-Athletiktrainings geplant.

Noch ausgefeilter halten sich die Leichtathleten des Post-Sportvereins Trier (PST) gemeinsam mit einem Tabata-Workout fit (siehe Info). „Wir waren bisher alle per Video zugeschaltet. Jeder konnte die anderen sehen“, erzählt PST-Sprinttrainer Thomas Fusenig. Ab und zu hakte das Bild zwar, aber trotz der räumlichen Trennung kam so doch ein bisschen Gemeinschaftsgefühl auf. Das aktuelle Problem: Die bisher genutzte App für Video-Konferenzschaltungen ist nach der Probephase nicht mehr kostenlos. „Ich habe meine Söhne Alexander und Nicolas, die bei uns für die technische Realisierung zuständig sind, gebeten, nach einer Alternative zu suchen“, erzählt Thomas Fusenig.

Denn gerade für die jungen Sportler seiner Gruppe ist das Gemeinsame wichtig. „Für alle wird die derzeitige Situation irgendwann zu einem Motivationsproblem“, glaubt Fusenig. Was für die deutschen Topathleten die Olympische Spiele sind für seine Nachwuchssprinterinnen die Deutschen Jugendmeisterschaften, die nun als Ziel in diesem Jahr wahrscheinlich fehlen. Ob diese für Juli geplanten Titelkämpfe stattfinden können, da ist Fusenig ist skeptisch. Und auch wenn er uns seine PST-Trainerkollegen versuchen kreative Ideen zu entwickeln, das reicht um fit zu bleiben, aber das spezielle Training fehlt natürlich.

„Im Sprint- und Sprungbereich ist das um ein Vielfaches schwerer, als beim Lauf“, sagt Fusenig. Seine individuellen Pläne beinhalten außer dem allgemeinen Athletiktraining und Dauerläufen zwar auch Koordinationsübungen und Sprints auf mit Smartphone und GPS vermessenen Strecken. Aber ohne Kunststoffbahn fehlt schon allein das Gefühl mit Spikes zu laufen.

Der Trainer ist momentan mehr noch als in normalen Zeiten Motivator. Und wie geht es ihm selbst? So sehr der Sport auch momentan eine Nebensache sei, sei er traurig für all die jungen Sportler, die jetzt nicht das zeigen können, wofür sie trainiert haben, erklärt Fusenig. „Wenn man sonst drei- bis viermal pro Woche mit der Gruppe auf dem Sportplatz war, ist das schon hart, wenn von gestern auf heute nichts mehr ist“, erzählt Fusenig über sein eigenes Befinden. Telefonieren, Training per Videokonferenz und Whatsapp können das nicht ersetzen.