1. Die Woch

Motor: Der Tipo: Erbe seiner selbst

Motor : Der Tipo: Erbe seiner selbst

Gerade mal sieben Jahre lang, im Leben eines Automobils oft nur ein einziger Modellzyklus, stand der Tipo von 1988 bis 1995 als Nachfolger des Ritmo für Fiats Engagement in der Kompaktklasse.

Danach machten die Italiener lange Jahre einen Bogen um dieses Segment. Erst 2016 kam man mit einem Revival des einstigen Bestsellers (als Nachfolger des Bravo) zurück.

Und das direkt als Trio: Limousine, Fünftürer und Kombi. Was letztendlich eine gute Entscheidung war. Nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für den Verbraucher, wie unser Fahrbericht mit dem fünftürigen 120 PS starken 1.4 T-Jet zeigt.

Die Italiener besinnen sich mit diesem Auto ihrer Grundwerte. Praktische Autos, gut, aber nicht übertrieben ausgestattet, für den „gesellschaftlichen Mittelstand“, also die Familie, zu bauen. Bezahlbar, aber nicht spartanisch, eher schlicht aber dennoch nicht unansehnlich geformt. Ein Auto, das ohne Schnick-Schnack für den Alltags-Einsatz gebaut wurde, und an dem man zudem auch noch seine Freude haben kann.

Mit diesem Versprechen nahmen wir von unserem Testwagen Besitz und gewannen die Erkenntnis: Man kann sich auch der Wurzeln besinnen, die ein Unternehmen einmal groß und begehrenswert gemacht haben, ohne dabei gleich lautstark auf die optisch übertriebene Lifestyle- und Retro-Pauke zu hauen.

Der Fronttriebler ist, beatmet von dem 120 PS starken Vierzylinder-Benziner – kein Wiesel. Er fegt nicht behende um die Ecken, aber er hat ein ausgewogenes Verhältnis von konsequenter, gutmütiger Zuverlässigkeit anzubieten, die durchaus nicht „schwach auf der Brust“ ist.

Im Innenraum überzeugt der kompakte Italiener mit viel Kopf-, Knie- und Ellbogenfreiheit. Das aus etlichen Fahrzeugen des Herstellers bekannte „U-Connect“-System kommt in seiner neuen Version zum Einsatz. Der Eindruck: Logische Bedienung, sensitiver Bildschirm, verbessertes Design der Grafik. Das System, dergestalt aufgehübscht und sinnvoll nachjustiert, überzeugt mit Alltagstauglichkeit.

Fiat möchte in diesem Segment mit einem gehörigen Schuss bella Italia, akzeptabler Einfachheit, aber auch viel Qualität in der Verarbeitung den erfolgreich geführten Preiskampf bestehen. Klar, dass dabei Handarbeit bei der Sitzverstellung ebenso angebracht ist wie hier und da ein Stück Hartplastik. Aber auch aufgeschäumter Kunststoff, eine Verarbeitung, die okay ist, und Detaillösungen beim Verstauen.

Mit dem Tipo hat Fiat den Fuß an der richtigen Stelle über die Schwelle gesetzt beim Wiedereinstieg in ein (zu) lange vernachlässigtes Segment. Eine wirkliche Alternative zwischen rumänischen Billig-Ablegern aus Frankreich und Taschengeld-Räubern aus Ingolstadt.