Unsere Vereine: Von „Sonntag wie heute“ bis zu den Toten Hosen

Unsere Vereine : Von „Sonntag wie heute“ bis zu den Toten Hosen

Der Männergesangverein Har­mo­nie Osburg ist in diesem Jahr für sein 100-­jähriges Be­stehen mit der Zelter­pla­ket­te ausgezeichnet worden. Neben der langjährigen und intensiven Vereinsarbeit zeich­net den Chor eine hohe sän­ge­ri­sche Qualität aus.

100 Jahre Männergesangverein (MGV) Harmonie Osburg. Ein Jubiläum, auf das die Aktiven des Chors mit Recht stolz sind. Am 31. August sind sie vom Bundespräsidenten dafür sogar mit der Zelterplakette ausgezeichnet worden. „Für einen Gesangverein ist das eine hohe Auszeichnung,“, sagt der Vorsitzende Dieter Konz. Fünf Konzerte richtet der MGV in diesem Jahr in Verbindung mit dem Jubiläum aus. Mit dem Weihnachtskonzert in der Pfarrkirche Osburg ist das letzte in dieser Reihe ist für den 15. Dezember 2019 geplant. Daran beteiligen sich auch weitere Vereine aus dem Dorf.

Doch ist das Jubiläum nicht das einzige Highlight in der Vereinshistorie. Denn bereits viermal ist der MGV als Meisterchor ausgezeichnet worden. Obwohl es lange her ist, kann sich Sänger Franz Quint an das erste Mal im Jahr 1975 in Bad Sobernheim noch gut erinnern. „Wir sind von der Bühne gegangen, und dann hieß es: Ihr seid Meisterchor“ erinnert er sich. Nach einem Zwischenstopp in Reinsfeld sind die Sänger von ihren Ehefrauen und Bürgern bereits am Ortseingang begrüßt worden. In der Ortsmitte sind die Chormitglieder dann von Vertretern der übrigen Osburger Ortsvereine sowie vom Bürgermeister empfangen worden. Der Musikverein habe gespielt, und die Feuerwehr habe mit Fackeln dort gestanden. „Das war ein Kribbeln, als ob wir Fußballweltmeister geworden wären“, erinnert er sich. Noch dreimal habe der MGV den Titel als Meisterchor errungen. Auch das sei jedes Mal gefeiert worden, „aber es war nicht das Gleiche wie beim ersten Mal“, sagt Quint.

„Der Chor fährt eine hohe Qualität“, sagt Dirigent Thomas Siess­egger, der den MGV seit 2007 leitet. „Wenn man mit Leuten arbeitet, die man mag, gewinnt man auch Freunde“, führt er einen weiteren Aspekt auf, warum er die Osburger gerne dirigiert. Das Repertoire des Chors ist breit gefächert. Klassische Musik wie Schubertlieder und Stücke von Mendelssohn und Silcher gehören genauso dazu wie Musicalstücke à la „Don’t cry for me Argentina“ sowie moderne Songs. Andreas Bouranis „Ein Hoch auf uns“, John Miles‘ „Music“, Grönemeyers „Männer“ oder Stücke von den Bläck Fööss, „Wir sind offen für alles“, sagt der Vorsitzende Konz. Wobei nicht unbedingt die jüngeren Sänger die neuen Sachen anregen. Das seien eher die Älteren, sagt der Dirigent. „Sie sind der Moderne nicht abgeneigt“, sagt Siessegger. „Es ist phänomenal, wie sie bei den neuen Liedern mitwirken.“ Auch, wenn er dem ein oder anderen mangels englischen Sprachkenntnissen den Text übersetzen muss.

24 aktive Sänger im Alter von 43 bis 82 Jahren hat der Chor, hinzu kommen rund 130 inaktive Mitglieder. Und wie viele andere Männerchöre tut sich der MGV schwer, neue Sänger zu begeistern. In den Hochzeiten seien es bis zu 50 Sänger gewesen, sagt Quint. Trotzdem stehe der MGV Harmonie mit 24 Aktiven im Gegensatz zu anderen Vereinen noch gut da. „In den 1930ern hat es sogar einen Aufnahmestopp gegeben, weil es zu viele Sänger waren“, ergänzt Konz.

Die regelmäßige Teilnahme an Proben sei heute von jungen Leuten weniger gewünscht, sagt Erich Gorges, Geschäftsführer des Vereins. „Ein Verein ist für viele Verpflichtung. Ein Projektchor ist in ein paar Wochen vorbei“, sagt Konz. Hinzu komme, dass die Institution Männerchor unpopulär geworden sei, sagt Gorges. „Männerchöre sind nicht altbacken, sie haben aber das Image“, sagt Siessegger.

Viel erlebt mit dem MGV hat Kurt Endres, mit 82 Jahren nicht nur ältestes Chormitglied, sondern mit 68 Jahren Vereinszugehörigkeit auch der dienstälteste Sänger im MGV. In der Zeit von 1951 bis heute habe sich die Chorliteratur erheblich geändert. „Angefangen habe ich mit ,Sonntag ist heute‘, gelandet bin ich jetzt bei den Toten Hosen“, sagt Endres unter dem Gelächter der anderen Chormitglieder. Den Text seines ersten Liedes, das er beim MGV gesungen hat, kennt er noch heute.

Seit 54 Jahren gehört Hermann Steffes zum MGV. Laut Quint zählt der 79-Jährige „zu den Originalen des Vereins.“ „Meine ganze Familie war im Männergesangverein. Vater, Großvater und Brüder“, sagt er. Wie Endres hat Steffes im Tenor begonnen und ist mit den Jahren bis in den ersten Bass gewechselt. Steffes ist es auch gewesen, der vor rund 25 Jahren das Theaterspielen wieder ins Leben gerufen hat. Erst war die Theatergruppe unter dem Dach des  MGV aktiv, hat sich dann aber als eigener Verein selbständig gemacht. Was ist am Chorgesang so schön, dass man diesem ein halbes Jahrhundert lang treu bleibt? Steffes: „Der Spaß am Singen und die Kameradschaft. Darauf lege ich viel Wert.“

Die Mitglieder des Chors sind – wie hier 2005 – auch jedes Jahr an der Fastnacht aktiv. Foto: MGV Harmonie Osburg
Für das Gruppenfoto haben sich die Sänger des MGV Osburg am Brunnen versammelt. Foto: MGV Harmonie Osburg
Der Männergesangverein Osburg beim Unterkreissingen im September. Rechts von der Bühne ist die historische Vereinsfahe zu sehen. Foto: MGV Osburg
Sie können viel über die Geschichte des MGV Harmonie Osburg erzählen: Kurt Endres, Emil Geib, Horst Messerig, Hermann Steffes, Franz Quint, Vorsitzender Dieter Konz und Geschäftsführer Erich Gorges. Am Klavier: Dirigent Dieter Siessegger. Foto: Christoph Strouvelle