1. Die Woch

Kulturdenkmäler: Jedes auf seine Art einzigartig

Kulturdenkmäler : Jedes auf seine Art einzigartig

Eine Rundreis zu zehn besonderen Kulturdenkmälern in der Region.

Es ist 17 Meter lang, 17 Meter breit, hat zwei Vollgeschosse, ist damit für ein Wohnhaus auf dem Land alles andere als klein und liegt mitten im Wald. Wie es der Bauherr seinerzeit geschafft hat, dafür eine Genehmigung zu bekommen, bleibt für viele ein Rätsel. Möglicherweise aber hat sein Name die Sache erleichtert. Geplant und gebaut wurde das schlichte Gebäude nämlich von Oswald Martin Ungers. Der 2007 gestorbene Architekt hat unter anderem das Torhaus der Frankfurter Messe, die Hamburger Kunsthalle und den quadratischen gläsernen Bau auf dem Trierer Viehmarkt geplant. Und eben auch die Villa Glashütte südlich der Ortslage Utscheid (VG Südeifel). Errichtet wurde das als Ferienhaus genutzte Gebäude auf dem großzügig angelegten Areal in den Jahren 1986 bis 1988. Und sein Bestandsschutz ist gesichert. Die Glashütte ist nämlich das mit Abstand jüngste Baudenkmal des Eifelkreises, womöglich auch eines der jüngsten in ganz Rheinland-Pfalz.

Seinen Namen verdankt das Bauwerk der Glashütte, die dort früher einmal gestanden hat, von der heute aber nichts mehr übrig ist. Eine andere Fabrik hingegen steht nach wie vor. Das gut 20 Kilometer entfernte Messingrohrwerk Albert am Ortsrand von Usch (VG Bitburger Land) ist zwar deutlich älter und allein schon deshalb in der Auflistung der Kulturdenkmäler gut aufgehoben, aber dennoch eine Besonderheit. Zum einen ist das aus Ziegelsteinen errichtete Gebäude einer der wenigen noch erhaltenen Zeitzeugen Eifler Industriegeschichte. Zum  anderen wird die 1903 errichtete und in den 1930er Jahren erweiterte Anlage noch immer genutzt.

Letzteres gilt auch für ein Kulturdenkmal in Bitburg, wenngleich die Nutzung heute eine andere ist als ursprünglich. Dort, wo heute eine Autovermietung ihren Sitz hat, war früher eine Tankstelle. Und als solche wurde das Bauwerk in Bitburgs Saarstraße 1954 auch errichtet. Die zwei Hallen mit den geschwungenen Freidächern wären womöglich schon abgerissen und durch einen nichtssagenden Neubau ersetzt worden, stünden sie nicht unter Denkmalschutz. Denn in der Kreisstadt war man in den vergangenen Jahrzehnten beim Erhalt von Baukultur nicht gerade übertrieben bemüht. So aber ist die ehemalige Tankstelle die einzige in der Region Trier, die unter Denkmalschutz steht.

Aus der gleichen Epoche stammt auch das Observatorium Hoher List südwestlich von Schalkenmehren (VG Daun). Die aus mehreren Gebäuden und Kuppeltürmen bestehende Anlage auf der Kuppe der Vulkanlandschaft ist inzwischen eine Denkmalschutzzone. Bis 2012 wurde  die vom Argelander Institut der Universität Bonn 1953/1954 gebaute Sternwarte wissenschaftlich genutzt. Inzwischen kümmert sich die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel  um den Betrieb und den Erhalt des Observatoriums.

Reich an Kulturdenkmälern ist auch die Stadt Wittlich. Zu den jüngsten Vertretern diese Gruppe gehört das Sparkassengebäude in der Schlossstraße. Der dreigeschossige Stahlskelettbau stammt ebenfalls aus den 50er Jahren und hat seitdem kaum etwas an Charme verloren.

Ortsbildprägende Gebäude, die darüber hinaus auch noch unter Denkmalschutz stehen, sind in der rund 830 Einwohner zählenden Gemeinde Waldweiler (VG Saarburg-Kell) eher rar. In der Liste der Kulturdenkmäler finden sich für diese Gemeinde gerade einmal vier Einträge, was für einen Ort in dieser Größenordnung eher ungewöhnlich ist. Und doch steht dort ein ganz besonderes Bauwerk: die Katholische Kirche St. Willibrord. Nun sind Kirchen, die unter Denkmalschutz stehen, zunächst nichts Außergewöhnliches. Das Gotteshaus in Waldweiler gehört allerdings zu den jüngsten kirchlichen Bauwerken der Region, wurde erst 1969 bis 1972 errichtet. Der schlichte Ziegelbau stammt von dem Architekten Heinz Bienefeld, der sich bei seinen Entwürfen von der Baukunst Italiens inspirieren ließ. Kirchlichen Protz und Pomp sucht man hinter den dicken, Mauern des preisgekrönten Bauwerk vergebens.

In der Liste der Kulturdenkmäler des Landkreises Trier-Saarburg ist diese Kirche eine ganz besondere, letztlich aber eben auch eine unter vielen. Ganz anders hingegen verhält es sich bei einem Kulturgut in Konz. Dort wurde nämlich ein Fahrzeug unter Denkmalschutz gestellt. Und zwar eine Dampflokomotive der 64er-Reihe aus dem Jahr 1936. Das schwarze Schienengefährt steht schön restauriert und überdacht am Konzer Bahnhof und ist die bislang einzige Lokomotive in der Region Trier, der diese Ehre zuteil wird.

Nicht weit von Konz entfernt liegt Trier. Wo auch immer man sich in der ältesten Stadt Deutschlands bewegt: Der Weg führt nahezu immer durch Denkmalzonen oder an Einzeldenkmälern vorbei. Das gilt selbst für den Schwimmbadbesuch. Sowohl das Stadtbad als auch das Südbad stehen unter Denkmalschutz. Und beim Südbad, das Mitte der 1950er Jahre gebaut wurde, ist es nicht nur das Eingangs- und Umkleidegebäude, sondern auch der Außenbereich mit den beiden organisch geformten Becken und dem parabelförmigen zehn Meter hohen Sprungturm. Kein anderes Kulturdenkmal der Region sorgt für so viel Adrenalin und Spaß.

Noch mehr Stufen als der Sprungturm des Südturms hat der Wasserturm auf dem Petrisberg. 144 sind es insgesamt. Der knapp 40 Meter hohe Bau mit einem Fassungsvermögen von mehr als 400 000 Litern diente bis 1988 zur Wasserversorgung und ist in zwischen eines der Wahrzeichen der Stadt Trier. Bis Anfang des Jahrtausends stand das futuristische Bauwerk eher isoliert. Inzwischen steht er mitten in einem Wohngebiet.

Das Observatorium auf dem Hohen List bei Schalkenmehren. Foto: Uwe Hentschel
Die Kirche St. Willibrord in Waldweiler. Foto: Uwe Hentschel
Die Dampflok in Konz Foto: Uwe Hentschel
Der Wasserturm auf dem Trierer Petrisberg. Foto: Uwe Hentschel
Der Hauptbahnhof in Trier. Foto: Uwe Hentschel
Die Messingfabrik in Usch. Foto: Uwe Hentschel
Das Sparkassengebäude in Wittlich. Foto: Uwe Hentschel

Wer in Trier wohnt und in eine andere Stadt möchte, fährt entweder mit dem Auto oder aber mit der Bahn. Gilt letzteres, so führt der Weg meist über den Hauptbahnhof. Der dreigeschossige Flachdachbau mit der fünfachsigen Eingangshalle ist das größte und gleichzeitig auch eines der jüngsten Bahnhofsgebäude in der Region. Errichtet wurde es 1950 bis 1953. Wer davor steht, hat das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Wobei das mit der Zeit bei Bahnreisen ohnehin so eine Sache ist. Böse Zungen behaupten, manche Züge haben so viel Verspätung, dass man die planmäßige Ankunft ebenfalls unter Denkmalschutz stellen könnte.