1. Die Woch

Unsere Vereine: Wintricher Fußballer feiern Comeback nach dem 100. Geburtstag

Unsere Vereine : Wintricher Fußballer feiern Comeback nach dem 100. Geburtstag

Der SV Wintrich ist in die­sem Jahr 100 Jahre alt ge­wor­den. Nach der Spielzeit 2012/2013 musste der Verein seine Fußballmannschaft ab­melden, im Juni 2019 stand er kurz vor der Auflösung. In der jetzt begonnen Saison 2020/21 nimmt wieder eine Mannschaft am Spielbetrieb teil. Den runden Geburtstag wollen die Wintricher vom 16. bis 18. Juli 2021 feiern.

(red) Am 24. Mai 2019 machten der Vorsitzende Helmut Görgen und sein Stellvertreter Reinhold Wirz den letzten Versuch, den SV Wintrich zu retten. Der Einladung zur Mitgliederversammlung war außer dem Vorstand nur ein Vereinsmitglied gefolgt. Helmut Görgen sagt: „Wir sahen keine Perspektive mehr, nachdem nur wenige Vorstandsmitglieder sich jahrelang um den weiteren Erhalt des einst so starken Vereins kümmerten. Die aufwendige Pflege der Sportanlagen sowie die gesamte Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit war für die kleine noch verbliebene Vorstandtruppe nicht mehr zu bewältigen. Auch war die Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde zu diesem Zeit nicht zufriedenstellend.“

Görgen und Wirz luden zur Auflösungsversammlung am 28. Juni ein. Und diese brachte dann doch die Wende: Es meldeten sich junge Frauen und Männer zur Übernahme der Vorstandsarbeit. Michael Hauth wurde neuer Vorsitzender. Margret Koch und Helmut Görgen machen weiter im neuen Vorstand mit.

Die Bernkasteler Zeitung berichtet am 29. September 1921 vom ersten Stiftungsfest des SVW: „Am letzen Sonntag feierte bei herrlichem Herbstwetter der Sportverein 1920 sein erstes Stiftungsfest verbunden mit Fußballpreiswettkämpfen, an denen 23 Mannschaften teilnahmen. Schon um ein halb 9 Uhr morgens trafen die ersten Vereine von moselabwärts ein, denen dann um 10 Uhr weitere Vereine von moselaufwärts folgten. Von Mut beseelt, wie bei Sportsleuten üblich, zogen die Moselaner mit Sang und Klang durch die festlich geschmückten Straßen Wintrichs. Programmmäßig um 9 Uhr begannen die ersten Vorkämpfe.“

Aus der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen lässt sich die Vereinsgeschichte so zusammenfassen: Der Vereinsgründer hieß Joachim Fritz. Er war in Ladenburg am Neckar, der Heimatstadt des Automobil-Erfinders Carl Benz geboren und ein Freund Sepp Herbergers. In den Kriegswirren war er an der Mosel geblieben und zog später wieder in seine Geburtsstadt am Neckar zurück. Einen Sportplatz gab es nicht. Gespielt wurde auf den Moselwiesen. Später gab es mit „Auf Plein“ und „Bungert“ feste Spielorte. Die wenigen Vereine des damaligen Kreises Bernkastel waren im Saar-Mosel-Kreis organisiert und dem Süddeutschen Fußballverband angeschlossen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten wies die Gemeinde dem Verein einen festen Platz in unmittelbarer Moselnähe am Auslauf der Bahnhofstraße zu. Ab 1970 wurde dort die neue Sportanlage mit Rasenfeld und Leichtathletikanlagen gebaut. Sie war damals im weiten Moselkreis die modernste Sportanlage. Zwei Jahre nach dem 50. Geburtstag wurde sie 1972 eingeweiht.

Neben Fußball glänzte die Leichtathletik an der Mittelmosel. Das war vor allem Eduard Gerten mit seinem Team zu verdanken. Er kam 1960 nach seiner Ausbildung als Volksschullehrer nach Wintrich. Gerne erinnert sich der mittlerweile 82-Jährige an die damaligen Sportfeste mit dem ehemaligen deutschen Hochsprungrekordler Gunther Spielvogel und dem 5000-Meter-Bronzemedaillengewinner von Olympia 1976, Klaus-Peter Hildenbrand, zurück. Mit anderen war es Gerten, der 1976 die Mosel-Crosslauf-Serie startete, die anschließend unter der Leitung von Edgar Bauer über 40 Mal mit großem Erfolg bis heute stattfindet.

Die Leichtathletik war in den folgenden Jahren das Aushängeschild des SVW und ist es bis heute geblieben. Nach Eduard Gerten ist Margret Koch seit über 30 Jahren Abteilungsleiterin der Leichtathleten. Höhepunkte der letzten Jahre waren vor allem die überaus erfolgreichen Teilnahmen an Meisterschaften auf Kreis- und Landesebene. Hier sind vor allem Ulrich Kilburg, Thomas Koch, Edgar Bauer und Timo Holstein, sowie als Athleten der ersten Stunden, Dieter Müller und Albert Zimmer zu nennen. Auch der Fußball gewann an Boden.

Fototermin nach dem Leichtathletik-Training mit den Verantwortlichen Timo Holstein (hinten rechts) und Dorothe Seibel (hinten links). Foto: SV Wintrich
Die ersten Fußballer aus Wintrich im Jahr 1920: hinten Bernhard Hasport, Josef Chandony, Franz Martin, Josef Schneider, Vereinsgründer Joachim Fritz, Johann Pauly und Nikolaus Simon; in der Mitte Karl Klas, Peter Marx und Johann Kyllburg; vorne Wilhelm Kranz, Franz Thömmes und Josef Schmitt. Foto: SV Wintrich
Der neue Vorstand: Timo Holstein (2. Abteilungsleiter Leichtathletik), Margret Koch (1. Abteilungsleiterin Leichtathletik), Mandy Görgen (2. Schriftführerin), Helmut Görgen (1. Kassierer /Jugendleiter Fußball), Tanja Eifel (2. Vorsitzende), Michael Hauth (1. Vorsitzende) und Edgar Bauer (1. Schriftführer). Es fehlen Celina Klas (Vereinsringvertreterin) und Max Kilburg (Jugendleiter Fußball). Foto: SV Wintrich
Der SV Wintrich am Ende der Saison 1995/96 (v.l.n.r.): Fritz Lauterbach, Stefan Brösch, Peter Bleckmann, Rainer Erz, Michael Reiter, Heiko Bastrau, Rene Wörner, Andreas Bastian, Stefan Kläs, Reinhold Wirz, Michael Lautz, Alex Ohar, Uwe Erz, Frank Kettern, Helmut Görgen und Sascha Ebert Foto: SV Wintrich
Volle Konzentration beim Start. Foto: SV Wintrich

Der SV Wintrich spielte nach der 75-Jahr-Feier in der C-Klasse Mosel oben mit und verpasste, nachdem Andreas Martini als Trainer die Mannschaft übernahm, nur knapp den Aufstieg in die B-Klasse. Nachdem der Aufstieg nicht gelang, wechselten mehrere Spieler in die Nachbarorte, um in höheren Klassen spielen zu können. Das führte dann zur Abmeldung. Die Jugendfußballer sind seit zwei Jahrzehnten in der Spielgemeinschaft Niederemmel/Neumagen-Dhron/Wintrich organisiert. Gymnastikgruppen und Kinderturnen waren in der neuen Mehrzweckhalle Vindriacum möglich.