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Die Woche im Blick: Corona und die vielen Kehrtwenden

Die Woche im Blick : Corona und die vielen Kehrtwenden

Die Corona-Politik ist voller Kehrtwendungen – auch jetzt noch. Bei der vorübergehenden Schließung der Impfzentren ist dies noch nachvollziehbar. Die Bewertung der Maßnahmen zu verschieben, ist dagegen eine Farce. So wird Deutschland in den nächsten Herbst und Winter wie in den vergangenen zwei Jahren starten: mit vielen Unsicherheiten.

Noch im April gab das Land auf unsere Anfrage bekannt, die Impfzentren das ganze Jahr über geöffnet zu lassen. Nicht einmal einen Monat später die Kehrtwende: Das Impfzentrum in Trier wird geschlossen, andere suchen kleinere Räume. Der Hintergrund: Es lassen sich kaum mehr Bürgerinnen und Bürger impfen. Insofern ist die jetzige Schließung zwar wieder einmal eine Drehung bei den Corona-Maßnahmen, allerdings eine nachvollziehbare. Zumal das Zentrum in Trier im Stand-by-Betrieb bleiben soll. Es könnte also relativ schnell wieder geöffnet werden. Da niemand weiß, ob es im Herbst möglicherweise durch Virusvarianten und angepassten Impfstoff neuen Bedarf gibt, ist diese Entscheidung ebenfalls verständlich.

Eine andere Kehrtwende sorgt dagegen dafür, dass weiter unklar bleibt, was die Corona-Politik und die einzelnen Maßnahmen bewirkt haben. Wie sinnvoll waren etwa Schulschließungen? Was haben Kontaktbeschränkungen gebracht? Wie sieht es mit der Maskenpflicht und Besuchsverboten in Heimen aus? Gerade angesichts der erheblichen Einschränkungen von Grundrechten wäre es angebracht, dies zu evaluieren. Ein Sachverständigenrat hätte sich eigentlich schon bis Ende des vergangenen Jahres darum kümmern sollen. Zunächst gab es eine Verlängerung um sechs Monate, nun sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gar, dass dieser Auftrag nicht vor Mitte 2023 erfüllt werden könnte. Die Folge: Deutschland könnte in den nächsten Winter gehen ohne Gewissheit, was wirklich zweckmäßig ist, wenn die Lage nicht mehr so entspannt wie jetzt ist.

Das wäre eine Farce und eine Missachtung nicht nur der Menschen, die vielen Maßnahmen kritisch gegenüberstanden – und diese sind keineswegs alle Verschwörungstheoretiker –, sondern auch derjenigen, die sich an vieles gehalten haben und wissen wollen, was es bewirkt hat. Wenn es falsche oder weniger sinnvolle Entscheidungen gab, müssen diese offen benannt werden. Gerade dies macht eine offene Gesellschaft aus.

t.roth@volksfreund.de