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Laufen unter Corona: Keine Hexerei und nichts für schwache Nerven

Laufen : Lauf-Organisation unter Corona: Keine Hexerei und nichts für schwache Nerven

Nur sechs statt 46 offizielle Lauf-Wettkämpfe gab es in der Corona-Zeit zwischen März und Oktober. Die Erfahrungen der Organisatoren, die Rennen auf die Beine gestellt haben und die Veranstaltungsanmeldungen für 2021 lassen aber hoffen.

(teu) Corona ist trotz aller Einschränkungen kein Grund zu verzweifeln. Da sind sich diejenigen, die in den vergangenen Monaten Lauf-Wettkämpfe außerhalb der Stadien organisiert haben einig. „Es ist keine Hexerei“, sagt Uwe Kollmann vom LT Büdlich-Breit-Naurath. Das Hygienekonzept für den Crosslauf in Breit im Hunsrück zu erstellen, sei nicht allzu schwer gewesen. „Und im Endeffekt war in der Praxis vieles leichter als gedacht“, erzählt er. Kollmann ist auch dankbar für die Hilfestellungen und die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich bei der Ausarbeitung des Plans. Er persönlich würde das Rennen in Breit auch unter Corona-Bedingungen wieder durchziehen.

Wolfram Braun stimmt zu: „Wenn es noch einmal so wäre, ich würde es noch einmal so machen“, zieht der Vorsitzende der LG Meulenwald Föhren Bilanz zu den drei Wettkämpfen, die sein Verein zwischen Ende August und Ende Oktober organisiert hat. Man habe dabei viel gelernt. „Wir mussten Dinge neu erfinden in dem Sinne, dass manches so vorher noch nicht da gewesen ist“, erzählt Braun. Er implementierte zusammen mit Klaus Kolz von dem Zeitmess- und Auswertungs-Dienstleister Chiplauf beispielsweise zusätzlich zur bekannten Läufer-Anmeldung eine Registrierung von Betreuern und Zuschauern. Außerdem wurde die Anmeldeplattform um die Möglichkeit erweitert, Bons für Speisen und Getränke zu bestellen (und bargeldlos zu bezahlen).

Am Veranstaltungstag wurden weniger Helfer als sonst benötigt. Es gab aber auch Absagen. „Ich kann die Kampfrichter verstehen, die sagen, mir ist das zu heiß“, sagt Crosslauf-Organisator Edgar Bauer vom SV Wintrich. Auch Kollmann zeigt Verständnis. Oft habe man Aufklärungsarbeit leisten müssen, um den Helfern das Konzept zu erklären. Grundsätzlich sei die Hilfsbereitschaft weiter vorhanden. Wer allem aus dem Weg gehen wollte, habe aber beispielsweise beim Auf- oder Abbau geholfen.

Der Arbeitsaufwand im Vorfeld der Veranstaltung war größer als vor Corona, gibt Braun zu. Zusammen mit Kolz habe er beispielsweise acht Stunden lang Startnummern und Bons versandfertig gemacht. Um Porto zu sparen, habe Kolz zusätzlich ein Programm entwickelt, das Läuferfamilien (mit gemeinsamer Adresse) zu identifiziert. Und damit die Teilnehmer aus Luxemburg rechtzeitig ihre Startnummer in der Post hatten, fuhr Kolz mit dem Rad von Konz ins Großherzogtum, um diese Briefe direkt dort aufzugeben.

Weil viel mehr vorab geregelt wurde, liefen die eigentlichen Veranstaltungen aber entspannter ab, als vor Corona. Viele Dinge werde man beibehalten, auch wenn es die Pandemie nicht mehr erzwinge, ist sich Braun sicher. Der 55-Jährige, der zusammen mit Klaus Jahnz aus Monreal bei Mayen auch Laufwart im Leichtathletik-Verband Rheinland (LVR) ist, appelliert an alle Veranstalter, sich damit auseinanderzusetzen, ob und wie man einen Lauf auch unter Corona-Bedingungen durchführen kann. Bei Cross- und Landschaftsläufen außerhalb von Städten sieht er lösbare Aufgaben. Aber einen Wettkampf wie das IRT-Summer-Special Ende August im Industriepark Region Trier mit sieben Zehn-Kilometer-Läufen in acht Stunden könne man natürlich nicht in der Trierer Innenstadt durchführen.

Mit verhaltenen Optimismus sieht Braun dem Laufjahr 2021 entgegen. „Der Laufkalender ist gut besetzt“, sagt Braun. In der ersten Meldephase habe es einen Rückgang von 90 auf 70 Veranstaltungs-Anmeldungen gegeben. Das habe man aber extremer erwartet. Nichtsdestotrotz: „Ich gehe davon aus, dass wir eine sehr abgespeckte Frühjahrssaison erleben werden.“ Vor allem für große Veranstaltungen mit vielen Helfern sei es schwer. Schon allein Organisationsbesprechungen mit vielen Teilnehmern seien nicht einfach zu durchzuführen. Wie auch größere Veranstaltungen in Innenstädten trotz Corona sicher durchgeführt werden können, könnte der Trierer Silvesterlauf zeigen, der weiterhin in der Planung ist.

Braun bedauert im Rückblick, dass es im zu Ende gehenden Jahr wegen Corona so wenige Wettkämpfe gab. Statt 46 ursprünglich geplanten, vom LVR genehmigten Rennen im ehemaligen Regierungsbezirk Trier gab ab es seit März nur sechs. Er lobt ausdrücklich den SV Ehrang, der aus seinem Stadt- kurzerhand einen Berglauf machte. Als Lohn für die Kreativität könnte in einem der nächsten Jahre die Vergabe der Rheinlandmeisterschaften in den Trierer Stadtteil winken.

„Ich kann aber jeden Veranstalter verstehen, der gesagt hat, die Sache ist mir zu heiß“, sagt Braun. Edgar Bauer konkretisiert das aus eigener Erfahrung bei der Organisation des zweiten Wertungslaufs der Mosel-Crosslauf-Serie in Wintrich: Die Anspannung sei wegen Corona größer, als noch vor einem Jahr. Einen Lauf mit Hygienekonzept und unter dauernder Unsicherheit durchzuführen, sei nichts für schwache Nerven, sagt der momentan wahrscheinlich dienstälteste Lauf-Organisator der Region.