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Hochwasser - Eifelkreis ruft Katastrophenfall aus - Pegel steigen

Hochwasser Eifelkreis : Update: Banger Blick auf die Pegelstände und die Nacht - Eifelkreis ruft den Katastrophenlage aus (Fotos und Video)

„Land unter“ meldet der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Willi Schlöder für den Eifelkreis um 17 Uhr. Und die Pegel an Nims, Kyll und Prüm steigen rasant weiter. Der Eifelkreis ruft den Katastrophenfall aus.

Tief „Bernd“ hat im Norden der Region die ersten Überflutungen verursacht. Von der Verbandsgemeinde Prüm über das Bitburger Land bis in die Südeifel: Überall mussten die Feuerwehren wegen überfluteter Kanäle, Keller und umgestürzter Bäume ausrücken. Aber die Befürchtungen gehen noch weiter. Denn das Wasser könnte die Orte an Prüm, Nims und Kyll von zwei Seiten treffen: Hangwasser und das Hochwasser der Flüsse. Denn die Pegel steigen bei anhaltendem Dauerregen rasant.

In Lasel war es späten Nachmittag so weit. Die Nims trat über die Ufer. Hochwasser. „Das dauert jetzt vielleicht noch drei Stunden, dann ist es auch bei uns so weit“, sagt der Rittersdorfer Ortsbürgermeister Holger Klein. Alle Feuerwehren sind in Alarmbereitschaft. Sandsäcke wurden verteilt, weitere werden befüllt. Die Lage: mehr als ernst.

Denn schon seit dem Nachmittag verursachen Wassermassen, die sich die Hänge runterdrücken, überflutete Keller und überspülte Straßen. Und nun auch noch steigende Pegel. „Wir messen hier, wie das Wasser in nur einer halben Stunde um 50 Zentimeter steigt“, sagt der stellvertretende Kreisfeuerwehrinspekteur Willi Schlöder. Und es regnet und regnet weiter. Dabei werden die stärksten Regenfälle laut Prognose in der Nacht erwartet.

„Wir fordern jetzt alles an, was wir aus weniger betroffenen Regionen bekommen können“, sagt Schlöder. Sandsäcke, Füllanlagen, Pumpen, Einsatzkräfte. Die Eifel rüstet sich für den Ernstfall. „Für den Eifelkreis rufen wir den Katastrophenfall aus“, sagt Schlöder.

Hochwasser - Eifelkreis ruft Katastrophenfall aus - Pegel steigen
Foto: Manfred Schuler
Pegel in der Eifel steigen an

Dass es ernst werden könnte, zeichnete sich gegen Mittag an der Eifeler Wetterfront ab: Da rückten die Feuerwehren in der Verbandsgemeinde (VG) Prüm zu den ersten Einsätzen aus, ab nachmittags liefen mehr und mehr Alarmierungen ein.

Erstes Hochwasser im Kreis Bitburg-Prüm

Im Prümer Stadtteil Dausfeld drohte das Wasser in einen Keller einzudringen, das konnte die Wehr mit Sandsäcken verhindern. In Rommersheim sei Wasser von einem Maisfeld hinab in einen Keller gelangt, sagte Manfred Schuler von der Feuerwehr Prüm. „Und die Hauptstraße ist überflutet.“

Straßensperrung wegen Hochwasser

Das war sie dann auch im weiteren Verlauf in Richtung Schönecken und Nimstal: Die Landesstraße 5 war zeitweise nicht befahrbar. Auch in Gondenbrett, im Mehlental nahe Prüm, stand Wasser auf der Fahrbahn, gesperrt werden musste sie aber nicht.

Das sah an der Prüm weiter südlich wenige Stunden später schon anders aus: Die L 1 bei Bollendorf, die L 3 bei Nusbaum, die K 21 bei Prümzurlay in der Verbandsgemeinde Südeifel sowie die Ortsumgehung bei Wolsfeld mussten wegen gefluteter Fahrbahnen gesperrt werden.Nachmittags, meldete Joachim Hönel von der Einsatzzentrale, ging dann auch auf der B 257 zwischen Irrel und Wolsfeld nichts mehr. Dabei blieb es nicht: Ob in Bettingen an der Nims oder in Auw an der Kyl – überall werden Straßen geflutet.

Feuerwehren im Dauereinsatz

In den Zentralen der Feuerwehren gingen die Alarmierungen ab dem Nachmittag im Minutentakt ein. Geflutete Keller, überspülte Straßen, umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste – und die Pegel an Nims, Prüm, Kyll und Sauer stiegen weiter.  Am frühen Nachmittag meldete Willi Schlöder bereits rund 50 Einsätze im Eifelkreis.

Weitere Sandsäcke werden gefüllt

Die Einsatzkräfte rüsteten sich für weitere Notsituationen: Die Prümer Wehr hatte sich bei den Kameraden in Schönecken weitere Sandsäcke beschafft, zusätzliche Säcke wurden von der Feuerwehr Schwirzheim befüllt. Am Nachmittag waren die VG-Wehren mit 130 Kräften an zahlreichen Einsatzorten.

Dann teilte Willi Schlöder mit: „Wir haben uns Unterstützung vom Technischen Hilfswerk angefordert. Die sollen weitere Sandsäcke füllen. Etwa 22 000 leere Säcke haben wir noch auf Lager.“

Das Wasser kommt mehr und mehr

In Niederprüm geriet Wasser in den Kindergarten. Bei Giesdorf standen Rinder im Wasser. Auch das Sägewerk, das dort an der Nims liegt, wurde überflutet. In Rommersheim stauten sich Äste und weiteres Treibgut an einer kleinen Brücke, deshalb lief Wasser in ein Wohnhaus. Die Wehr aus Rommersheim kam den Bewohnern zu Hilfe.

Auch im Süden des Kreises, stromabwärts der Nims wie in Bickendorf im Bitburger Land, ging es los: Ortsbürgermeister Dietmar Tures meldete die ersten vollgelaufenen Kanäle.

Gefahr droht von zwei Seiten

Dieses Mal drohte den Orten an Prüm, Nims und Kyll im Eifelkreis Überflutungsgefahr von zwei Seiten. „Das Wasser drückt sich die Hänge runter“, sagte Werner Becker, Ortsvorsteher des Bitburger Stadtteils Erdorf, der auch 2018 vom Unwetter stark betroffen war. Damals waren in Erdorf unter anderem die Bahngleise überflutet, zahlreiche Bäume umgestürzt. Und etliche Häuser vom Hochwasser betroffen. Vor drei Jahren aber waren die Pegelstände der Kyll eher niedrig. Vom Fluss selbst drohte damals keine Gefahr. Das sieht nun wegen der seit Tagen anhaltenden Regenfälle anders aus. „Die Pegel steigen“, sagte Becker mit Blick auf die Kyll.

Campingplatz an der Prüm teils evakuiert

Nicht länger warten wollte die Familie Köhler, die den Campingplatz in Oberweis an der Prüm betreibt. „Wir haben mehr als 60 unserer Stellplätze evakuiert“, sagte Alwin Köhler. Zwar sei die Prüm, an der der Campingplatz liegt, noch ein gutes Stück davon entfernt, über die Ufer zu treten. „Aber alle Prognosen deuten darauf hin, dass das eintreten wird“, sagte Köhler am frühen Nachmittag. Das Problem: Die Überschwemmung kommt, wenn sie kommt, dann voraussichtlich in der Nacht auf Donnerstag. „Wenn die Wiesen dann aufgeweicht sind, bekommen wir da nachts kein Fahrzeug mehr hin“, sagte Köhler. Eben deshalb habe er sich mit seinen Söhnen entschieden, den kompletten Bereich des Campingplatzes an der Prüm zu räumen.

Die Gäste würden nun teils mit ihren Wohnwagen auf einer geschotterten Fläche beim Kindergarten die Zeit überbrücken, bis sie hoffentlich zum Wochenende wieder zurück an die Prüm kommen. „Etliche Gästen war das aber zu ungewiss, die sind abgereist“, sagte Köhler.

Die ersten Keller laufen an der Nims voll

Die Feuerwehr rückte inzwischen auch an der Nims in Rittersdorf aus. „In den ersten Kellern steht das Wasser“, sagte Ortsbürgermeister Holger Klein. Im Bitburger Stadtteil Stahl verfolgte Ortsvorsteher Willi Heyen die Lage gebannt: „Die Situation spitzt sich Stunde um Stunde weiter zu.“

Feuerwehren rücken immer häufiger aus

„Die Einsätze mehren sich“, sagte Klaus-Peter Dimmer, Wehrführer im Bitburger Land. „Wir haben einige Stellen, an denen das Wasser über die Straßen läuft, auch einige geflutete Terrassen.“ Am Nachmittag hielt sich die Zahl der Keller, die ausgepumpt werden mussten, noch in Grenzen. Etwa fünf, sechs, schätzte Dimmer. Aber: „Es kommen jetzt ständig neue Einsätze rein.“

Angst vor Hangrutschen

Zunächst war es vor allem das Oberflächenwasser, das in zahlreichen Orten an einzelnen Stellen über die Straße floss. So auch in Kyllburg, wie Ortsbürgermeister Wolfgang Krämer sagte: „Wir haben im Vorfeld dieser Unwetterwarnung noch mal alle Einläufe geprüft und frei gemacht.“ Krämers Sorge: „Das Wasser könnte in den Steilhängen Erde mitreißen, dann könnten ganze Hänge abrutschen.“ 2018 war es dort so dramatisch, dass zehn Häuser evakuiert werden mussten und Spezialisten die Katastrophenstelle sichern mussten.

Gebannter Blick auf steigende Pegel

Ob an der Nims, der Prüm oder Kyll: Überall behielten die Ortsbürgermeister besorgt die Pegelstände im Blick. Denn, wenn die Flüsse erst mal über die Ufer treten, wird die Lage noch ernster. „Gegen Abend, eventuell auch mitten in der Nacht könnte das nach den aktuellen Unwetterwarnungen so weit sein“, sagte Willi Heyen aus Bitburg-Stahl. „Es regnet ja an einem Stück.“ Die Feuerwehr sei dort, wie überall, natürlich in Alarmbereitschaft.

Es zieht vom Norden nach Süden

Beginnend in der Verbandsgemeinde Prüm über die Orte im Bitburger Land mehrten sich schließlich auch die Einsätze in der Südeifel.

Auch Joachim Hönel von der Feuerwehr in der VG Südeifel meldete „vollgelaufene Keller, überflutete Fahrbahnen und umgestürzte Bäume“. Um 17.10 Uhr gab er durch: „Wir sind jetzt in zehn Ortschaften mit 15 Wehren unterwegs.“ Dort, wie überall, wurde mit Blick auf die Nacht noch Schlimmeres befürchtet.

Seine Bitte an die Bürger: „Schauen Sie, ob in Ihren Straßen die Kanaleinläufe sauber sind. Wenn nicht, laufen die Regenmassen nicht weg.“

Hochwasser - Eifelkreis ruft Katastrophenfall aus - Pegel steigen
Foto: Fritz-Peter Linden

„Was den Bereich Arzfeld angeht, ist es noch relativ entspannt“, sagte VG-Wehrleiter Walter Thibol. In Lünebach habe Wasser in einem Keller gestanden. Davon abgesehen habe die Wehr noch kaum Einsätze gehabt, wenn auch bei der Firma HTS Weiland in Irrhausen jetzt Sandsäcke befüllt würden. „Und in Waxweiler werden Vorkehrungen getroffen. Der Pegel an der Prüm steigt schon sehr stark.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Überschwemmung - Hochwasser in der Eifel am 14. Juli