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Selbstversuch: Der Korb hängt hoch beim Rollstuhlbasketball

Rollstuhlbasketball : Der Korb hängt hoch!

Der RSC-Rollis Trier und die Doneck Dolphins Trier haben zum elften Mal ein Rollstuhlbasketball-Jedermannturnier ausgerichtet. TV-Mitarbeiter Holger Teusch hat ausprobiert, wie sich die Ballsportart als Aktiver anfühlt, die Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam betreiben können.

Lasse hat recht: Irgendwann werden die Unterarme müde. An den Händen bilden sich Schwielen. Der linke Daumen hat schon eine Blase. So viel Spaß es macht, mit dem Rollstuhl übers Feld zu flitzen, zu wenden und mit dem Sportgerät Kurven zu schneiden, die jeden Formel-1-Fahrer vor Neid erblassen lassen: die Arme werden schnell schlaff beim Rollstuhlbasketball. Die Kraft, um mit einem Wurf vielleicht doch noch etwas Zählbares für die Mannschaft zu erzielen, ist nicht mehr da. Der Korb hängt aus der Rollstuhlperspektive noch unerreichbar höher als beim ,normalen‘ Basketball. Nur Lasse und seinem Bruder Jonte gelingen in der ersten Partie Punkte für das Team „Master of Desaster“, das mich als Gastspieler aufgenommen hat. Nach einer Viertelstunde fegen wir die Möhner Ninjas mit sensationellen 4:2 Punkten vom Platz.

Lasse ist so etwas wie der Kapitän unseres Teams beim Jedermannturnier des RSC-Rollis Trier. Die übrigen – Babsy, Stefan und deren zweiter Sohn Jonte, Jutta und nicht zu vergessen Lotta – sind fast genauso unbedarft in der Praxis des Rollstuhlbasketballs wie ich. Der Name „Master of Desaster“ gibt mir die Hoffnung, dass die Erwartungen bei meinen Mannschaftskameraden nicht allzu hoch sind und ich nicht allzu viel kaputt machen kann. Vom Spielfeldrand sieht das, was Dirk Passiwan und die anderen Dolphins in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga treiben, immer so viel leichter aus, als wenn man selbst durch die Halle rollt.

Ohne Lasse wären wir ziemlich aufgeschmissen. Der 14-Jährige aus dem Schwäbischen spielt seit zwei Jahren in Stuttgart Rollstuhlbasketball. Als Fußgänger. In der Sportart können nämlich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen Wettkampfsport betreiben. Je nach Behinderungsgrad werden jedem Spieler Punkte zugeteilt. Die Punktsumme der Spieler auf dem Feld darf bei jedem Team einen gewissen Wert nicht überschreiten. Jedenfalls bei offiziellen Spielen.

Beim Trierer Jedermannturnier spielt das keine Rolle. Sobald im Rollstuhl sitzend, hat jeder hier ein Handicap. Schon bei ganz simplen Aktionen. Wie bekommt man beispielsweise den Ball vom Boden aufgehoben? Der scheint aus der Rollstuhlperspektive ähnlich weit weg, wie der Basketballkorb hoch hängt. „Ihr müsst den Ball hinten am Rad hochführen“, erklärt uns Lasse den Trick. Und Dribbeln? Ähnlich wie beim Basketball! Statt zwei Schritten sind es hier zwei Drehbewegungen an den Greifringen des Rollstuhls, nach denen der Ball auf dem Boden geprellt werden muss. Das ist gar nicht so leicht zu koordinieren (und wird deshalb beim Jedermannturnier auch nicht so genau genommen).

In unserem Auftaktspiel gegen die Möhner Ninjas komme ich zuweilen nicht vom Fleck. Ein junger Eifel-Ninja, der im echten Sportleben bei den Jungdelfinen spielt, blockt mich gekonnt ab. Gegnerische Spieler so am Weiterfahren zu hindern, dass sie in den gerade laufenden Spielzug nicht eingreifen können, gehört ebenfalls zum Repertoire beim Rollstuhlbasketball. Dirk Passiwan als Bundesliga-Topscorer kann ein Lied davon singen. Mich abzublocken, ist dagegen nicht spielentscheidend. Unsere Punkte erzielen Lasse, sein Bruder Jonte – und die kleine Schwester Lotta.

 TV-Mitarbeiter Holger Teusch (Zweiter von links) machte beim Rollstuhlbasketball-Jedermannturnier des RSC-Rollis Trier im Team „Master of Desaster“ aus Schwaben einen Selbstversuch.
TV-Mitarbeiter Holger Teusch (Zweiter von links) machte beim Rollstuhlbasketball-Jedermannturnier des RSC-Rollis Trier im Team „Master of Desaster“ aus Schwaben einen Selbstversuch. Foto: Miriam Maile / Doneck Dolphins Trier
 Ob mit oder ohne Beeinträchtigung, beim Rollstuhlbasketball-Jedermannturnier des RSC Rollis Trier konnte jeder mitmachen, um Erfahrungen in der inklusiven Sportart zu sammeln.
Ob mit oder ohne Beeinträchtigung, beim Rollstuhlbasketball-Jedermannturnier des RSC Rollis Trier konnte jeder mitmachen, um Erfahrungen in der inklusiven Sportart zu sammeln. Foto: Holger Teusch

Die Grundschülerin ist das Ass im Ärmel von „Master of Desaster“. Sie muss nur ein am Korb befestigtes Seil mit dem Ball treffen. Das zählt dann als Punkt. Ungeschriebenes Gesetz ist, dass die Jüngsten bei ihren Wurfversuchen nicht angegriffen werden. Jedem soll ein Erfolgserlebnis ermöglicht werden. Und Lotta nutzt ihre Chance nicht nur einmal. Im Spiel um den fünften Platz erzielt sie die entscheidenden Punkte – und ist unser gefeierter Star. Holger Teusch