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Olympia: So geht es dem Trierer Richard Schmidt vor dem Achter-Finale

Der Trierer Richard Schmidt vor dem Achter-Finale : Fünf Jahre Vorbereitung gipfeln in gut fünf Minuten Leidenszeit

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutscher Zeit kämpft der 34-jährige Ruderer von der Mosel um seine zweite olympische Goldmedaille nach 2012. Die Crew fühlt sich gerüstet, schwierig könnten die äußeren Bedingungen werden.

Training am Stützpunkt in Dortmund.  Immer und immer wieder. In der Halle. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Dazu Trainingslager. Die monatelangen Qualen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen sollen sich für den deutschen Ruder-Achter nun auszahlen. In Form der Goldmedaille. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag deutscher Zeit kämpft das Paradeboot des Deutschen Ruder-Verbands um den Olympia-Sieg – es wäre der fünfte nach 1960, 1968, 1988 und 2012.

Für den Trierer Richard Schmidt wäre es das zweite Gold nach 2012. Der 34-Jährige ist das erfahrenste Mitglied im Deutschland-Achter. Als er sich gestern per Sprachnachricht beim TV meldet, ist in seiner Stimme nichts von Nervosität zu spüren. Notwendige Anspannung ja, aber er hat schon zu viel miterlebt, um unruhig zu werden.

Zumal der Ruderer des RV Treviris Trier bei seinen vierten Olympischen Spielen weiß, was auf den Achter zukommt. Ein Rennen, bei dem im Sekundenbereich entschieden wird, wer Gold, Silber, Bronze oder eben nichts gewinnt. Letzte Gewissheit, dass es „extrem eng“ (Schmidt) werden wird, brachte der Hoffnungslauf am gestrigen Mittwoch, in dem Rumänien das Finale verpasste. Somit bilden Deutschland, die Niederlande (beide Boote gewannen die Vorläufe), Neuseeland, Großbritannien, die USA und Australien (in dieser Reihenfolge kam das Quartett im Hoffnungslauf ins Ziel) das Final-Feld. „Der Hoffnungslauf hat gezeigt, dass die Neuseeländer sehr stark sind und sich die Briten nach ihrem schlechten Vorlauf gefangen haben“, sagt Schmidt, der auch die Bedingungen im Blick hatte: „Sie waren kurios, schnell und schwierig.“

Am gestrigen Mittwoch herrschte auf der Regatta-Strecke Sea Forest Waterway in der Bucht von Tokio starker Wind in Fahrtrichtung. Was bei komplizierten Bedingungen passieren kann, wenn kurzzeitig die Konzentration flöten geht, musste der deutsche Doppelvierer der Frauen schmerzhaft erfahren. Das Boot lag auf Silberkurs, als die Ruderinnen rund 200 Meter vor dem Ziel kurz aus dem Tritt kamen. Sie fingen sich einen sogenannten Krebs. Dabei verkantet ein Ruderblatt im Wasser und wird weggeschlagen, der Rhythmus geht komplett verloren. Das deutsche Boot rutschte auf Platz fünf ab. „Das ist tragisch, was da passiert ist“, sagt Schmidt. Und der Fauxpas führte vor Augen, wie schnell all die Schinderei im Training für die Katz‘ sein kann.

Hinzu kommen andere ungewohnte Bedingungen, auf die es sich einzustellen gilt. So wird in Salzwasser gerudert – der Widerstand, auf den das Ruder trifft, ist in ihm anders als in Süßwasser, in dem die Ruderer normalerweise Wettkämpfe bestreiten. Das Wasser in Tokio ist darüber hinaus sehr warm. „Ich schätze, es hat 26 bis 28 Grad“, teilt Schmidt mit. Dadurch fehlt ein bisschen Kühlung von unten.

Am heutigen Donnerstag absolviert der Deutschland-Achter noch ein Training, danach stehen bis zum Rennen Ausruhen und Gymnastik auf dem Programm.

Tags darauf am Freitag gipfeln dann um 10.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MESZ)  fünf Jahre Vorbereitung in gut fünf Minuten Leidenszeit. Nach etwa fünfeinhalb Minuten (je nach Wind) wird der Goldmedaillengewinner die Ziellinie nach 2000 Metern überqueren – völlig erschöpft, aber überglücklich. Ob es die Deutschen mit Schmidt sein werden? Frühaufsteher können das Rennen live am Fernseher im ZDF verfolgen.